Altersvorsorge : Versichert, verunsichert

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Wenn das nicht bedrohlich ist: Rentner, die zum Sozialamt müssen, um ihre Miete bezahlen zu können. Versicherungskunden, die weit weniger ausbezahlt bekommen als sie gehofft haben. Oder – schlimmer noch – als ihnen versprochen worden ist. Die Angst davor, im Alter mit leeren Händen dazustehen, wächst. Sie hat viele Väter und Mütter. Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen etwa, die mit der Warnung vor dem Absturz im Alter ihre Zuschuss-/Lebensleistungsrente durchsetzen konnte. Die Versicherungswirtschaft, die ihren Kunden künftig weniger von den stillen Reserven abgeben muss. Und auch die SPD verspricht sich einiges vom Thema Altersvorsorge. Die Sozialdemokraten stellen ihre eigene Erfindung, die Rente mit 67, infrage. Und hoffen nicht nur auf die Zustimmung der Wähler, sondern auch auf ihre Stimmen.

Jeder kocht sein eigenes Süppchen. Das ist verständlich, aber fatal. Denn Altersvorsorge taugt nicht als Spielfeld für politische Winkelzüge. Altersvorsorge ist auf Dauer angelegt. Man muss heute einzahlen, um später versorgt zu sein. Und man muss sich darauf verlassen können, dass sich das, was man heute investiert, später auszahlt. Altersvorsorge ist ein Lebensprojekt.

Damit das funktionieren kann, muss Vertrauen da sein. Vertrauen darauf, dass sich die Investitionen lohnen. Wer jetzt Panik vor einem Niedergang der Lebensversicherung schürt, treibt ein gefährliches Spiel. Denn nichts wäre schlimmer, als wenn Menschen jetzt zuhauf ihre Verträge kündigen und aus der privaten Vorsorge fliehen würden. Und nebenbei gefragt: Wohin sollen sie denn flüchten? In überteuerte Immobilien, in mickrig verzinstes Tagegeld, oder sollen sie ihr Geld auf den Kopf hauen und mit 65, pardon 67, Jahren beim Sozialamt um eine milde Gabe betteln? Wohl kaum.

Solche Panikaktionen kosten nicht nur Geld, sie sind auch unnötig. Kein Versicherter muss derzeit befürchten, dass er seine garantierten Leistungen nicht bekommt. Keine Versicherung steht vor der Insolvenz. Das verspricht die Finanzaufsicht. Und auch die gesetzliche Rente ist besser als ihr Ruf. Die Renten steigen, das Polster in der Rentenkasse auch.

Richtig ist aber auch, dass die Versorgungssysteme vor Problemen stehen. Die gesetzliche Rentenversicherung muss die Herausforderung meistern, dass es in Deutschland immer mehr Alte und immer weniger Junge gibt. Die Politik hat auf dieses Dilemma reagiert. Die Rente mit 67 ist eine Antwort, die Absenkung des Rentenniveaus eine andere. Das mag zwar vielen nicht schmecken, ist aber nötig. Die Lücke muss nun jeder selbst füllen – mit einer individuellen Vorsorge oder einer Betriebsrente. Das wird immer wichtiger. Dafür sorgt die Politik. Die neue Lebensleistungsrente soll nur der bekommen, der vorher privat fürs Alter vorgesorgt hat. Die SPD setzt auf Betriebsrenten und will die Absicherung über den Arbeitgeber ausbauen.

Auf verschiedene Systeme zu bauen, ist im Prinzip eine gute Sache. Die Mischung sorgt für Stabilität. Aber wie lange noch? Noch können sich die Versicherer auf ihre hochverzinsten Staatsanleihen stützen, die sie vor langer Zeit mit Kundengeld gekauft haben. Doch peu à peu laufen diese Schätzchen aus. Neue, solide Anlagen sind aber schwer zu finden. Das ist Folge und Fluch der Euro- Krise. Um ihr Geld unterzubringen, kaufen Investoren sichere Papiere derzeit selbst dann, wenn die kaum oder sogar gar keine Zinsen bringen. Sie machen damit den Versicherern das Leben schwer, die ihrerseits nach sicheren Häfen für das Ersparte ihrer Kunden suchen.

Der Finanzminister kann sich freuen. Nie war Schulden machen billiger. Die Rettung maroder Banken und überschuldeter Euro-Staaten geht letztlich auf Kosten derjenigen, die für ihr Alter vorsorgen. Sie werden schleichend enteignet. Lange darf das nicht mehr so weitergehen. Denn wenn die Menschen das Vertrauen in ihre Altersvorsorge verlieren, steht mehr auf dem Spiel als Geld.

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