Meinung : „Am 10. April fängt der Frühling an“

Paul Kreiner

Noch bleiben sechs Wochen, bis dem Herausforderer von Silvio Berlusconi die Ergebnisse der italienischen Parlamentswahl ins Zimmer flattern. Vorerst kam nur ein Altpolitiker hereingeschneit, ein abgewählter auch noch, und das war noch nicht das Schrägste an der Sache.

Helmut Kohl schaute in Rom vorbei. Er wolle, sagte er, „aus Dankbarkeit und herzlicher Erinnerung“ seinen „langjährigen Freund“ unterstützen, Romano Prodi, diesen „großen Europäer“. Für einen öffentlichen Auftritt indes reichte es nicht; der geplante Stadtspaziergang fiel ins Wasser. Kohl und Prodi Seit’ an Seit’ – parteipolitisch war das ohnehin schwer zu begreifen: Ein eingeschworener Christdemokrat verhilft – wenn denn derlei Blitzbesuche etwas nützen – nicht nur dem Anführer eines Mitte-links-Bündnisses zur Macht, sondern mit ihm auch den italienischen Kommunisten.

Prodi wiederum muss sich von diesen seinen Kommunisten fragen lassen, was um alles in der Welt er mit einem Helmut Kohl anstellen wollte. Ohne Hausmacht tut sich Prodi auch so schon schwer genug, seinen Gemischtwarenladen zusammenzuhalten: Zentristen, ehemalige und zu neuer Macht strebende Christdemokraten, Sozialdemokraten, Sozialisten, Grüne, Kommunisten zweier Sorten, Liberale und Antiklerikale. Bewegt sich Prodi ein Schrittlein nach rechts, beschweren sich die Linken, guckt er nach links, maulen die Rechten. Und manch Ehrgeiziger wartet offenbar nur auf seine Stunde.

Prodi ist kein großer Redner; im Wahlkampf kommt er erst langsam auf Touren. In den Wochen, in denen ein überschäumender Berlusconi seine Ein-Mann-Shows im Fernsehen abzog, war vom Herausforderer kaum etwas zu sehen; auch jetzt dominieren der amtspolitisch wie finanziell deutlich stärkere Berlusconi und dessen Plakate in der Öffentlichkeit.

Bei den Umfragen, wer denn der bessere Ministerpräsident wäre, schneidet Prodi (38 Prozent) stärker ab als Berlusconi (34 Prozent); aber Berlusconi holt auf. Einer der erfahrensten Meinungsforscher, Renato Mannheimer, hat erst am Dienstag im „Corriere della Sera“ zu „großer Vorsicht beim Formulieren von Prognosen“ geraten.

Kohl übrigens balancierte den Besuch bei seinem „langjährigen Freund“ Stunden später politisch korrekt aus: Nachdem er mittags mit Prodi getafelt hatte, ließ er sich das Abendessen im Kreis führender italienischer Christdemokraten schmecken.

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