Meinung : Am Anfang des Regenbogens

Der unblutige Wahlsieg der Opposition in Kenia ist eine Chance für ganz Afrika

Christoph Link

Mit Hamsterkäufen hatten sich die Kenianer auf den Wahltag vorbereitet. Übernimmt die Armee? Klebt Moi an der Macht? Gibt es Unruhen? Nun sind alle Befürchtungen wie weggeblasen, alles sieht nach einem „Happy End“ aus. Der Anführer der „Regenbogen"-Opposition, Mwai Kibaki, hat einen überragenden Sieg über die seit fast vier Jahrzehnten regierende Kanu-Partei errungen. Und Altpräsident Moi akzeptiert das.

Sein Nachfolger Kibaki sieht sich weder als König noch als afrikanischen Potentaten. Er will eine transparente Regierung und ein „Diener des Staates“ sein. Wer Kibakis Biographie kennt, weiß, dass das keine leeren Worte sind. Für Afrika jedoch sind es ungewohnte Töne. Der Herrschertyp des allein sich selbst verantwortlichen Autokraten ist weit verbreitet. Von Kenia, das zwar nur 30 Millionen Einwohner zählt, aber wegen seiner Historie und traditionell starken Ökonomie eine Schlüsselrolle in Ostafrika hat, könnte ein Signal für Afrika ausgehen.

Es war immer ein Irrglaube, dass afrikanische Gesellschaften auf Demokratie verzichten und die Armut mit einer guten Wirtschaftspolitik unter harten Regimen bekämpfen könnten. Autokratische Regierungen (Eritrea, Äthiopien, Kongo, Burundi) haben Kriege vom Zaune gebrochen. Im Schatten von Ein-Mann-Regimen (Kenia, Uganda) gediehen Vetternwirtschaft und Korruption. In jüngster Zeit erlebt Afrika einen Aufbruch. Schon in Senegal und in Ghana waren bei demokratischen Wahlen alte, verkrustete Regime fortgefegt worden. Die legitimen Nachfolger mühen sich redlich, die Bilanz der „Zeit danach“ ist gemischt.

Auch der jetzt über Kenia strahlende „Regenbogen“ wird nicht über Nacht Erfolge bringen. Eines der zähesten Geschäfte ist es, die im ganzen Lande verbreitete Korruption auszurotten. Aber gestern schwelgten Millionen Kenianer in einem ganz simplen Gefühl: Wir haben einen neuen Präsidenten gewählt. Ist er nicht gut, wählen wir in fünf Jahren einen anderen.

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