Meinung : Am Brocken verschluckt Von Alfons Frese

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Bevor man in die Schlacht zieht, sollte man sich gut über den Feind informieren – und die eigenen Kräfte nicht überschätzen. Der niedersächsische Ministerpräsident Christian Wulff hat einmal gesagt, der VW-Konzern sei sein dickster Brocken in dieser Legislaturperiode. Das kann er sagen, denn Wulff vertritt den VW-Aktionär Niedersachsen im Aufsichtsrat. Wulff ist ein CDU-Politiker mit großen Ambitionen. Der Sex-and-Crime-Skandal bei VW war für Wulff eine Gelegenheit, die Sozialdemokratisierung des Konzerns aufzubrechen, den Einfluss der IG Metall zurückdrängen und Seilschaften zu kappen. Seit Freitag wissen wir, wie erfolgreich Wulff dabei war: Der langjährige Konzernchef und jetzige Aufsichtsratsvorsitzende Ferdinand Piëch hat gemeinsam mit IG-Metall-Chef Jürgen Peters einen Nachfolger für den früheren Personalvorstand Peter Hartz durchgedrückt, den Wulff unbedingt verhindern wollte. Horst Neumann, viele Jahre für die IG Metall tätig und liiert mit der SPD-Politikerin Andrea Nahles.

Die letzte Aufsichtsratssitzung, gerade mal vier Wochen her, hat Wulff vorzeitig verlassen, nachdem er sich mit einem Misstrauensantrag gegen Piëch nicht durchsetzen konnte. Wulff war der Ansicht, dass Piëch nichts im VW-Aufsichtsrat zu suchen habe, da Piëch Miteigentümer von Porsche ist, aber Porsche seit kurzem eine große Beteiligung an VW hält. Wulff hätte gerne Piëch durch den früheren Siemens-Chef Heinricht von Pierer ersetzt, der war Mitglied im CDU-Wahlkampfteam. Am Freitag revanchierte sich Piëch. Gemeinsam mit Peters hatte er seine Truppen gut aufgestellt – und der so angriffslustige Wulff muss sich schwer demoliert von Wolfsburg nach Hannover zurückziehen. Hoffentlich ist jetzt endlich Ruhe. Am neuen Personalchef Horst Neumann soll das nicht liegen. Die Fachkenntnis des bisherigen Audi-Vorstands ist unumstritten, und anders als sein Vorgänger Peter Hartz sind ihm mediale Inszenierungen eher fremd. Neumann hat viel zu tun, denn wegen fehlender neuer Modelle hat VW schwere Jahre vor sich. Da hilft nur sparen. Auch beim Personal.

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