Meinung : Am eigenen Leibe

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Er ist der letzte HolocaustÜberlebende in der Knesset. Er ist der Vizeregierungschef Israels. Und der 73-Jährige ist daheim das Idol vieler Jugendlicher. Die Worte von Josef Lapid, dem Vorsitzenden der Schinui-Partei, wiegen schwer – auch weil sie das wachsende Unbehagen junger Israelis mit der eigenen Besatzungspolitik widerspiegeln. Die Bilder einer alten Frau in Gaza, die in den Trümmern ihres Hauses nach Medikamenten suche, erinnerten ihn an seine eigene Großmutter, die von den Nazis umgebracht worden sei, sagte Lapid. Und: Es gebe keine Vergebung für Menschen, die eine alte Frau so behandelten. Die Untaten der Nazis lassen sich mit den rabiaten Militäraktionen gegen die palästinensische Bevölkerung nicht vergleichen. Das weiß auch Lapid. Er weiß aber auch aus eigenem Erleben, welches Leid Menschen erleben, die als hilflose Opfer von Haus und Hof davongejagt werden. Lapid hat das am eigenen Leibe erfahren. Überlebt hat er in Budapest – versteckt in einer Toilettenanstalt. Als Vizeregierungschef sorgt er sich um das Ansehen Israels in der Welt. Und als Mensch drückt er aus, was viele Menschen bei den Bildern aus Gaza empfinden. M.G.

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