Meinung : „Am Ende wird schon alles gut werden“

Claudia Keller

Viele haben ihn schon gesehen, ohne ihn wahrzunehmen. Alberto Gasbarri ist eine Art Heinzelmännchen des Vatikans. Der große, schlanke Mann mit den grauen Haaren ist der sogenannte Reisemarschall des Papstes. Er hat jeden Quadratmeter inspiziert, den der Papst ab Samstag in seiner bayerischen Heimat betreten wird. Er kennt jedes Haus und jeden Kirchturm auf der Reiseroute, er hat jede Stunde des Heiligen Vaters durchgeplant und den Speiseplan genauso umsichtig durchdacht wie das Sicherheitskonzept und das Protokoll für die Begegnung mit dem Bundespräsidenten. Der 59-Jährige arbeitet äußerst effizient und ist dabei maximal diskret: die ideale Voraussetzung, um von Benedikt XVI. in ein wichtiges Amt berufen zu werden.

In der Öffentlichkeit ist Gasbarri nahezu unbekannt, nicht so im Vatikan. Als Verwaltungschef hält er die Geschäfte von Radio Vatikan zusammen, viele kennen ihn, weil er außerdem eine Art Arbeitnehmervertreter im Kirchenstaat ist. Schon Gasbarris Vater verdiente sein Geld als Angestellter des Kirchenstaates, er selbst ist Betriebswirt, ein Laie also, dessen Karriere mit 23 Jahren bei Radio Vatikan begann. Dort entdeckte der langjährige Reisemarschall und Jesuit Roberto Tucci das organisatorische Talent des jungen Mannes und holte ihn vor über 20 Jahren in das Vorbereitungsteam für die Papstreisen.

Vieles kann schiefgehen auf so einer Reise, aber Alberto Gasbarri behält auch in brenzligen Situationen die Ruhe, sagen Mitarbeiter. „Alles wird gut“, sagt er dann und atmet tief durch. Auch ist es nicht immer einfach, die Wünsche und Anforderungen des 79-jährigen Papstes mit denen der Gastgeber in Einklang zu bringen. Gasbarri sage nie zu viel und nie zu wenig, heißt es, er finde immer eine Lösung. Dabei habe er ein offenes Ohr für Ideen, er äußere aber sehr dezidiert, was der Papst machen werde und was nicht, sagt einer, der schon viel mit ihm zu tun hatte. Berüchtigt ist sein kleiner Block und sein Bleistiftstummel, den er immer bei sich trägt. Wenn er dort etwas notiert, sollte man sich beeilen, die Aufgabe zu erfüllen. Gasbarri vergesse nie etwas.

Mit seinen eleganten Anzügen, der dezenten Goldbrille und seiner sonoren Stimme, die ein wenig an Paolo Conte erinnert, wirkt er ganz wie ein italienischer Nobelmann. Am Samstagabend, dann, wenn alle schlafen, freut sich der „Herr Dottore“ aber nur noch auf eines: ein gutes bayerisches Bier.

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