Ameneh Bahrami : "Ich möchte keine Rache"

Weil sie seine Liebe verschmähte, verätzte ein Mann einer Iranerin die Augen, das Gesicht. Ein Gericht entschied nun: "Auge um Auge" - im wahrsten Sinne des Wortes.

Martin Gehlen
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Foto: AFP

Ich will nur, dass alle wissen, dass man so etwas keiner Frau antun darf.“ Seit über vier Jahren ist Ameneh Bahrami blind, 17 Operationen hat sie hinter sich. Ihr Gesicht ist schrecklich entstellt, ihr Körper übersäht mit Narben. Am 3. November 2004 übergoss ein junger Mann die heute 31-jährige Iranerin in einem Teheraner Stadtpark mit Schwefelsäure. Sein Motiv: verschmähte Liebe. Zwei Wochen später stellte sich Madschid Mowahedi der Polizei. Auge um Auge entschied jetzt ein Gericht auf Antrag der schwer verletzten jungen Frau. Mittlerweile ist das Urteil rechtskräftig. Dem Täter werden beide Augen verätzt. Dann ist er blind wie sein Opfer.

Diese grausame Körperstrafe bliebe ihm nur erspart, wenn Bahrami stattdessen ein Schmerzensgeld akzeptieren würde. Selbst der Chef der iranischen Justiz, Ajatollah Schahrudi, bedrängte die junge Frau, auf Auge um Auge zu verzichten, um dem Iran negative Schlagzeilen zu ersparen. Auch Nobelpreisträgerin Schirin Ebadi versuchte, sie umzustimmen. „Sie sollte sich nicht zu sehr sorgen“, wies die fürs Leben Gezeichnete das Anliegen der prominenten Menschenrechtlerin zurück. „Er wird betäubt und keine Schmerzen haben. Sein Gesicht wird nicht entstellt. Und er wird nicht solche seelischen Qualen durchmachen müssen wie ich.“

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