Meinung : …Amerika

Christoph von Marschall über die neueste Idee fürs Benzinsparen in den USA: Rettungsringe über Bord!

Von Killer-Hurrikanen sind die USA 2006 verschont geblieben. Aber der „Katrina“-Schock sitzt noch in den Köpfen. 2005 hatte der Wirbelsturm New Orleans zerstört und zudem Ölförderung und Raffinerien im Golf von Mexiko über Wochen lahmgelegt. Die Benzinpreise stiegen damals binnen kurzem um 40 Prozent. Der Sprit kostet zwar auch heute nur halb so viel wie in Deutschland, aber die Amerikaner empfinden den Preis als hoch. Tipps fürs Benzinsparen werden gerne gelesen. Autos mit Hybridtechnik, die ein Drittel weniger verbrauchen als herkömmliche Motoren, erobern die Herzen – gekauft werden sie allerdings nur in sehr kleinen Stückzahlen. Die Abhängigkeit von arabischem Öl ist ein Kernthema der Kongresswahl in zehn Tagen. So fand nun eine Studie aus „Engineering Economist“, einer Fachzeitschrift für Ingenieure, bereits vorab den Weg in die Massenmedien. Sie gibt Autohaltern einen ungewohnten Rat: Abspecken!

Die üblichen Erkenntnisse über die Entwicklung des Benzinverbrauchs in den jüngsten Jahrzehnten schieben die Autoren beiseite. Zum Beispiel die, dass der technische Fortschritt viel sparsamere Motoren hervorgebracht hat, aber dennoch kaum weniger Benzin verbraucht wird, weil die Menschen heute größere Autos mit stärkeren Maschinen fahren. Die Ingenieure rechnen vielmehr vor, dass der Ballast, der da fortbewegt wird, stetig zugenommen habe. Die Schlagzeilen der Journalisten bedienen sich eines Wortspiels: „Lose the Spare Tire!“ Wörtlich: Verzichtet aufs Reserverad. Gemeint ist, was Deutsche die körpereigenen „Rettungsringe“ nennen – Fettpolster.

Seit 1960 ist das durchschnittliche Körpergewicht von Männern in den USA um 25 auf 191 US-Pfund gestiegen (87,5 Kilo), das von Frauen um 24 auf 164 US-Pfund (75 Kilo). Hätten die Amerikaner noch das Körpergewicht von 1960, würden sie mit ihren heutigen Autos eine Milliarde Gallonen (3,785 Milliarden Liter) weniger verbrauchen und 2,2 Milliarden Dollar Benzinkosten sparen. Die eine Milliarde Gallonen entsprechen der Benzinmenge, die alle Amerikaner zusammen an drei Tagen verbrauchen.

Übergewicht gilt zugleich als das größte Gesundheitsproblem der amerikanischen Gesellschaft. Hier sehe man ihre sozioökonomischen und außenpolitischen Folgen, sagt Professor Sheldon Jacobson, Professor an der Universität von Illinois. „Wenn wir uns als Nation entscheiden, mehr für unsere Fitness zu tun, würden wir gesünder leben und zugleich unsere Abhängigkeit von fremdem Öl reduzieren.“

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