Meinung : Amerikas Rache

Meinungen zum Tod von Osama bin Laden

Frau Merkel hat geäußert, die gezielte Tötung Osama bin Ladens „freue“ sie, das halte ich – bei allem Respekt – für den Ausdruck pervertierten Denkens. Aufgrund unserer gemeinsamen Wertvorstellungen, wie sie u. a. im Grundgesetz manifestiert sind, sollte es selbstverständlich sein, dass die Tötung eines Menschen ein schrecklicher Vorgang ist und nicht etwa ein „erfreulicher“. Ich kann nicht beurteilen, ob die Tötung von Osama bin Laden notwendig oder gerechtfertigt war. Wenn sie es war, dann aber doch nur mit einer ähnlichen Begründung, die auch den Tyrannenmord unter Umständen rechtfertigt oder unvermeidlich machen kann. Dass es in seltensten Ausnahmesituationen sein kann, dass mit einem Menschen nichts Besseres mehr anzufangen ist, als ihn zu töten, ist nichts weniger als „erfreulich“. Sehe ich das zu kleinlich, geht es nur um eine ungeschickte Ausdrucksweise, oder ist es nicht in gewisser Weise ein heimlich-unheimlicher Sieg bin Ladens und des von ihm initiierten grauenvollen Terrors, wenn wir uns eine solche Pervertierung unserer grundlegenden Wertvorstellungen aufzwingen lassen? Leider kommt sie in vielem zum Ausdruck, was wir dazu hören und lesen mussten.

Michael Börgers, Berlin-Lichterfelde

Die Debatte über Frau Merkels Freude ist das Lächerlichste und Verlogenste seit langem. Da gelingt endlich mal ein Coup ohne eigene Verluste, und darüber dürfen wir uns nicht freuen? Jeder Tyrann, der Tausende von Toten auf seinem Gewissen hat, hat den Anspruch auf sein eigenes Leben verwirkt. Müssen denn immer erst unschuldige Soldaten und Zivilisten geopfert werden, um einen oder wenige Schuldige zu treffen? Da wartet man jahrelang auf den gezielten Tyrannenmord auf Milosevic, Saddam Hussein, Gaddafi, Ahmadinedschad und wie sie alle heißen, um weitere Opfer zu vermeiden. Warum scheut man den „Zweikampf“ statt sinnloser militärischer Aktionen? Wer verantwortet eigentlich die vielen Kriegstoten? Ist ein toter Soldat der „wertvollere“ Tote oder ein Held? Und wer verantwortet die Toten aus religiösen Gründen vor Gott? Christliche Ethik kann tatsächlich zum Totlachen sein.

Eike Mewes, Rangsdorf

Als 2003 der zweite Irakkrieg begann, wurde die irakische Propaganda des damals höchst amüsanten „Informationsministers“ Saddam Hussein nur noch durch die deutsche Berichterstattung überboten, die – kaum war der erste US-Panzer auf irakisches Territorium vorgedrungen – westliche Niederlagen à la Stalingrad prognostizierte. Man hatte den Eindruck, Berichte über die Ostfront 1945 zu lesen. Doch plötzlich, siehe da, fiel Bagdad, und das Regime des Diktators brach zusammen. Heute gelingt den USA ein entscheidender Schlag gegen den Islam-Terrorismus, nämlich die Liquidierung bin Ladens.

Die deutsche Reaktion? Man malt die düstersten Szenarien aus, wähnt die Amerikaner in Todesangst wegen eventueller Vergeltungsschläge, diskutiert über die Rechtmäßigkeit des Tötens eines geistesgestörten Massenmörders. Komisch – ich hatte nicht den Eindruck, dass die Amerikaner, die am 1. Mai feierten, „Todesangst“ hatten. Im Gegenteil, sie waren erfreut und erleichtert – wie übrigens der Großteil der (auch muslimischen) Welt auch. Nur wir Deutsche sitzen wieder mal miesepetrig in der Ecke, lamentieren und überlegen krampfhaft, wie man auch diesen Erfolg zu einem Misserfolg zerreden kann. Und wähnen uns dabei allen Ernstes als „kritische Beobachter“. Was ist bloß los mit diesem Land?

Stefan Gläser, Berlin-Frohnau

Am 08.05.1945 feierten die US-Amerikaner das Ende des 2. Weltkrieges in den Straßen von New York, wo an jenem 11. September 2001 zwei Flugzeuge im Auftrag von Al-Qaida-Chef Osama bin Laden das World Trade Center zerstörten und fast 3000 Menschen ums Leben kamen. Ist es da nicht verständlich, wenn die Amerikaner den Tod von Osama bin Laden feiern, der nach den traumatischen Ereignissen von 09/11 wie eine innere Befreiung der Seele wirkt? Schließlich war Osama bin Laden wie Adolf Hitler ein Tyrann, der die freien Völker der Erde kriegerisch bedrohte und terrorisierte. Das US-Todeskommando in Pakistan sehe ich in diesem Zusammenhang in der Tradition von Oberst Claus Graf Schenk von Stauffenberg, der am 20. Juli 1944 versuchte, Adolf Hitler zu töten.

Roland Klose, Bad Fredeburg

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