Amin Farhang : ''Das ist ein beispielloser Skandal''

Der afghanische Minister Amin Farhang ist vom BND abgehört worden. Ein Porträt des 68-Jährigen.

Ruth Ciesinger

Amin Farhang hat ausgezeichnete Kontakte zu deutschen Medien, nicht nur zum „Spiegel“. Afghanistans Handelsminister ist ein gern kontaktierter Gesprächspartner: weil er freundlich ist, mitteilsam – und weil er Deutsch spricht. Der 68-Jährige, der aus einer einflussreichen, dem Westen aufgeschlossenen Familie kommt, studierte in den 60er Jahren in Köln Volkswirtschaft und lebte seit Anfang der 80er in Nordrhein-Westfalen im Exil, damals erhielt er seinen deutschen Pass. Doch der Minister, der seit dem Sturz der Taliban und der Petersberger Konferenz von Ende 2001 Mitglied der afghanischen Regierung ist und zunächst als „Berlins Mann in Kabul“ galt, hat bei deutschen Politikern in der Vergangenheit stark an Beliebtheit verloren.

Amin Farhang spricht nicht nur gerne mit Medien, er beklagt ohne Zurückhaltung die Missstände in Afghanistan und spart dabei nicht mit Kritik am internationalen Engagement. Nichtregierungsorganisationen wirft er vor, sich am Geld für den Wiederaufbau zu bereichern, das von Berlin hoch gelobte Prinzip der Regionalen Wiederaufbauteams nennt er schon mal eine „Geldverschwendung“. Doch jetzt schweigt der Minister vorübergehend. Der Bundesnachrichtendienst hat seine Mails mitgelesen, offenbar mithilfe eines in Kabul auf Farhangs Computer installierten Trojaners. Was vor einer Woche als Skandal der Bespitzelung einer „Spiegel“-Reporterin bekannt wurde, macht nun auch in Kabul Ärger. Die deutsche Seite lässt bisher mit einer offiziellen Reaktion auf sich warten, möglicherweise wird aber Kabul dies am Wochenende tun. Bis dahin will Farhang offiziell „nichts mehr sagen“, betont er am Mobiltelefon. Zuvor hat er jedoch am Donnerstag noch der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ gesagt, dass er durch diese Vorfälle gänzlich „das Vertrauen verloren“ habe.

Offen bleibt, weshalb der BND so großes Interesse an Farhangs Mailverkehr hatte. Zwar hat im verwobenen Netz afghanischer Machtstrukturen im Zweifel jeder mit jedem Kontakt, und dann möglicherweise auch mit radikalen oder kriminellen Elementen. Doch der Minister ist niemand, der sich mit Ideen wie denen der Taliban anfreunden würde, sondern gilt als moderner und aufgeschlossener Politiker. Zudem scheint auch sein Einfluss in der Regierung nicht mehr so groß zu sein – der frühere Wirtschafts- und jetzige Handelsminister hat gerade eine schwierige Zeit im Parlament wegen der steigenden Lebensmittelpreise.

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