Debatte um Mahnmale : Welche Formen des Gedenkens sind sinnvoll?

Nach den Gewalttaten auf dem Alexanderplatz ist ein Mahnmal geplant, das an Jonny K. erinnern und zu einem couragierten Miteinander aufrufen soll. Wir fragen unsere Leserinnen und Leser: Welche Formen des Gedenkens halten Sie heute für sinnvoll?

Johannes Groschupf
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Spielende Kinder am Holocaust-Denkmal: Neue Form der Gelassenheit oder unwürdiger Umgang?Foto: dpa (dpa)

Die Giuseppe-Marcone-Stiftung hat in den vergangenen Tagen einen Entwurf für ein Mahnmal gegen Gewalt vorgestellt,  das am Alexanderplatz sowohl an den Mitte Oktober zu Tode geprügelten 20-jährigen Jonny K. erinnern und auch für  mehr Zivilcourage sensibilisieren soll.

Am Charlottenburger Kaiserdamm soll zukünftig eine in den Boden eingelassene Gedenktafel an den 23-jährigen  Giuseppe Marcone erinnern, der dort 2011 auf der Flucht vor Schlägern bei einem Autounfall gestorben war.

Seit langem sind die „Stolpersteine“ im Berliner Stadtbild ein viel beachtetes Projekt einer neuen Form des Gedenkens – eingebunden in den Alltag, eher unauffällig, doch vielleicht deshalb wirkungsvoller als das Gedenken in einem abgeschlossenen Areal.

In München jedoch werden keine „Stolpersteine“ auf öffentlichem Grund verlegt. Die dortige jüdische Gemeinde hat sich mit der Begründung dagegen ausgesprochen, damit würden die Opfer nochmals „mit Füßen getreten“.

Das von Bildhauer Frank Meisler errichtete Mahnmal "Kindertransporte" am S-Bhf. Friedrichsstraße steht inmitten eines sehr belebten Stadtraumes.

Passanten kommen und gehen, manche nutzen die Sitzflächen, um dort einen Hamburger zu essen oder die Zeitung zu lesen. Manchmal mischen sich Blumen des Gedenkens mit Alltagsmüll.

Auch um das Berliner Holocaust-Mahnmal gab es eine lange Diskussion, die sich nicht nur an der „künstlerischen Beliebigkeit“ entzündete, sondern vor allem am alltäglichen Umgang: Sind jugendliche Skater, spielende Kinder, Touristen mit Stadtplan und Stulle an einem solchen Ort nicht unpassend?

Berliner Denkmäler
Stilles Trauern und alltägliches Gedenken, ob am Alexanderplatz zur aktuellen Gewalttat... ...Alle Bilder anzeigen
1 von 6Foto: dpa
28.11.2012 16:47Stilles Trauern und alltägliches Gedenken, ob am Alexanderplatz zur aktuellen Gewalttat... ...

Henryk M. Broder machte den Vorschlag, das für dieses Mahnmal aufgewendete Geld hätte man lieber den Angehörigen und Nachkommen der Holocaust-Opfer zur Verfügung stellen können.

 

Lieber Leserinnen und Leser: Welche Mahnmale in unserer Stadt sind Ihrer Ansicht nach gelungen – und welche nicht? Was ist für Sie ein lebendiges Denkmal? Welche Formen des Gedenkens berühren Sie – und welche ärgern Sie?

 

 

 

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