Gastkommentar : Fernsehsender verbreiten Antisemitismus

Mitverantwortlich für die Steinwürfe auf eine jüdische Tanzgruppe in Hannover sind die Fernsehsender zweier Terrororganisationen, die jeden Tag Hass in die Wohnzimmer arabischer Familien bringen.

Alexander Ritzmann

Nach den Steinwürfen auf eine jüdische Tanzgruppe in Hannover vor einiger Zeit reagierten Politik und Verbände mit Bestürzung. Aus einer Gruppe von etwa 30 Kindern und Jugendlichen waren die Tänzer attackiert worden; Parolen wie „Juden raus!“ und „Weg mit den Juden!“ sollen gebrüllt worden sein. Laut Polizei haben die mutmaßlichen Täter allesamt einen arabischen Migrationshintergrund.
Gewaltbereiter Antisemitismus bei Kindern und Jugendlichen ist eine Ausnahmeerscheinung. Trotzdem stellt sich die Frage, was aus in Deutschland aufgewachsenen Minderjährigen Judenhasser machte, die ihren Worten Taten folgen ließen?

Mitverantwortlich dafür sind die Fernsehsender zweier Terrororganisationen, die jeden Tag Hass und Antisemitismus in Wohn- und Kinderzimmer arabisch sprechender Familien senden. Auch nach Deutschland.
„Pioniere von morgen“ heißt eine von vielen Kindersendungen des Hamas-Fernsehsenders Al-Aksa TV. Er ist in ganz Europa frei empfangbar. Ein kleines Mädchen aus Holland wird per Telefon in die Sendung nach Gaza geschaltet und singt: „Wenn wir als Märtyrer sterben, dann kommen wir ins Paradies, ich bin bereit mein Blut zu opfern...“ Die Kinder im Studio klatschen, lachen und singen mit. Diese Sendung wurde im April 2010 ausgestrahlt. Sprechende Plüschtiere, darunter eine Nachahmung von Micky Maus, indoktrinieren Kinder mit Hass auf Juden und dem Wunsch, ihr Leben für die Hamas zu opfern.
Wie viele Menschen genau in Deutschland Al-Aksa TV schauen, ist nicht bekannt. Es ist aber anzunehmen, dass nicht nur die 300 laut Verfassungsschutz hier lebenden Hamas-Anhänger mit ihren Familien regelmäßig einschalten. Und so kommen Antisemitismus, Aufrufe zum Mord, Verschwörungstheorien und anti-westliche Propaganda per Satellit als tägliche Dosis aus dem Gazastreifen nach Berlin, Hamburg oder Hannover.

So auch in einer Zeichentricksendung. Dort graben jüdische Charaktere, deren Darstellungen an diejenigen in der nationalsozialistischen Zeitschrift „Stürmer“ erinnern, unter der Al Aksa Moschee ine Jerusalem, um diese zu zerstören. Dieser Clip läuft seit Dezember 2007 immer wieder – bis heute.

Dahinter steckt eine wirksame Verschwörungstheorie: Im März diesen Jahres interviewte Al-Aksa TV dann fünfjährige Mädchen, die davon berichteten, dass die Juden in Jerusalem graben würden, um die Moschee zu zerstören und eine Synagoge zu errichten. Auch hier: Die Juden, nicht etwa Zionisten oder Israelis. Die Mädchen wollen Widerstand leisten.

Und auch im „Kasperle-Theater“ auf Al-Aksa TV fordert „Onkel Hassan“ den kleinen „Alloush“ und die zuschauenden Kinder auf, Widerstand gegen die Juden zu leisten und Jerusalem zu befreien.
Der Hamas-Geistliche Wael al-Zarad verkündet den Zuschauern dort, die Blutrache der Muslime gegen die Juden werde erst mit deren Vernichtung enden, weil die Juden versucht hätten, den Propheten Mohammed zu töten. In der Reportage "Holocaust in Palästina" berichtet Al-Aksa TV, der Holocaust sei eine Verschwörung der Juden, die sich so ihrer Alten und Kranken entledigt hätten. Deren Ermordung habe man den Nazis angehängt, um so einen Staat in Palästina errichten zu können.

Iyad Barghouthi, der Direktor des in der West Bank gelegenen "Ramallah Human Rights Center", beschreibt Al-Aksa TV deshalb auch als "verstörende Wegmarke des Anstiegs der islamistischen Kräfte. Al-Aksa TV ermutigt nicht nur zur Anwendung von Gewalt, es verbreitet auch fanatischen Islamismus und Rassismus."

Die Hamas steht mit ihrem Sender keineswegs alleine: der zweite auf die Radikalisierung von Menschen ausgerichtete Kanal heißt Al-Manar TV und gehört zur libanesischen Hisbollah. Dessen Relevanz für Deutschland zeigte sich spätestens, als im September 2006 ein 14-Jähriger in die Kamera des TV Magazins „Polylux“ rief: „Die Juden, die haben unser Land angegriffen, Schweine, scheiß Juden“. Auf die Frage, woher er das denn habe, sagt er: „Aus dem Fernsehen, Al-Manar!“

Zwischen Nachrichten und Unterhaltungsshows werden dort Terroranschläge und Attentate als „Märtyrertum“ glorifiziert und Hassreden des Hisbollah-Chefs Nasrallah übertragen. Mütter von Selbstmordattentätern erzählen vom Glück über den „Märtyrertod“ ihres Sohnes und erhoffen dieses Ende auch für ihre anderen Söhne. Und in einer von der Hisbollah betriebenen Schule singen 6-jährige Jungen aus voller Kehle mit stolzgeschwellter Brust: „Wir sind die Hisbollah, wir werden unser Leben für Allah opfern“.
Verfassungsschutzberichte sprechen davon, dass Al-Manar TV für schiitische und sunnitische Extremisten ein wichtiges Leitmedium darstelle. Den Recherchen des TV Magazins „Monitor“ zufolge erfreut sich das Programm sogar bei vielen als gut integriert geltenden Einwandererfamilien großer Beliebtheit.
Im November 2008 hatte das Bundesministerium des Inneren Al-Manar TV verboten. Seitdem ist es untersagt, Al-Manar TV in Hotels oder Teestuben zu zeigen, auf dem Sender zu werben oder sonst wie mit ihm zusammen zu arbeiten. Das Verbot hat jedoch keine Auswirkungen auf den Sendebetrieb, weil Al-Manar TV in Beirut sitzt.

Sowohl Al-Manar TV wie auch Al-Aksa TV wurden auch über Satelliten des französischen Unternehmens Eutelsat übertragen. Erst auf Initiative der „Coalition Against Terrorist Media“, einem Zusammenschluss verschiedener Organisationen und Personen – Muslime, Christen, Juden und Säkulare – wurde die Übertragung dort eingestellt.

Beide Sender können jedoch weiterhin über die Satelliten Arabsat (Al-Aksa TV und Al-Manar TV) und Nilsat (bisher nur Al Manar TV) in Europa empfangen werden. Die saudische und die ägyptische Regierung sind die jeweiligen Mehrheitseigner der Unternehmen.

Es reicht nicht aus, wenn politische Entscheidungsträger in Deutschland als Reaktion auf antisemitische Übergriffe wie in Hannover lediglich Betroffenheit und Entsetzen äußern. Vielmehr müssen ernstgemeinte diplomatische Initiativen mit dem Ziel gestartet werden, dass das saudische Königshaus und die Regierung Mubarak diese beiden Hass-Sender aus dem Programm nehmen. Das wäre von zwei Ländern, mit denen Deutschland und die EU freundschaftliche Beziehungen unterhalten, nicht zu viel verlangt.

Der Autor ist Senior Fellow bei der European Foundation for Democracy in Brüssel.

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