Internet-Aktivist : Jeff Jarvis: "Ihr Deutschen, seid öffentlicher"

01.12.2011 14:32 Uhr

Internetaktivist Jeff Jarvis hat auf dem Demokratiekongress der Konrad-Adenauer-Stiftung eine Grundsatzrede zu neuen Öffentlichkeiten gehalten und neue Prinzipien für die Netzkultur vorgeschlagen. Seine Rede im Wortlaut.

Prinzipien einer neuen Öffentlichkeit

Nein, wir Netz-Menschen müssen das Netz und die Öffentlichkeit und ihre Möglichkeiten schützen. Um das zu tun, glaube ich, müssen wir eine Diskussion über die Grundsätze unserer neuen öffentlichen Gesellschaft führen. Die deutsche Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger schrieb in der Frankfurter Allgemeine Zeitung: "Die digitale Welt braucht nicht in erster Linie neue Gesetze, sie braucht universelle digitale Werte. Die Internet-Community muss das diskutieren." Damit bin ich einverstanden. Also hier sind Prinzipien, die ich empfehle. Wir werden uns nie alle darauf einigen, aber wir müssen darüber diskutieren:


- Erstens, haben wir ein Recht uns zu verbinden. Wenn die Verbindung zum Netz durch Mubarak in Ägypten oder von einem Piraterie-Gesetz in Frankreich oder den USA abgeschnitten ist, dann ist die Verbindung zur Welt durchtrennt worden und das ist eine Verletzung der Menschenrechte. Können wir uns darauf einigen?


- Das Recht zur Verbindung ist im Prinzip die Präambel zu einem Grundgesetz: der Redefreiheit.

- Und von diesem Recht folgt das nächste: das Recht sich zu versammeln und zu agieren. Siehe # OccupyWallStreet und die Schaffung neuer Öffentlichkeiten um eine Idee.

- Weiter glaube ich, sollten wir Privatsphäre so begreifen: als ein Akt des Wissens einer Information von einer anderen Person und dem verantwortungsvollen Umgang damit. Dies bringt viele Anforderungen: es geht nicht ums Stehlen, es geht um das offene Sammeln, um das Verstehen des Kontextes, um das sichere Verwahren von Informationen und ein Zugang dazu.

- Öffentlichkeit braucht eine Ethik des Teilens. Wenn Sie etwas wissen, was anderen helfen kann, warum teilen Sie ihr Wissen nicht?

- Weiter: Unsere institutionalisierten Informationen, also keine persönlichen Daten, aber die von Unternehmen und Regierungen. Die sollten standardmäßig transparent sein und nur in Ausnahmefällen geheim. Heute ist es umgekehrt.


- Ich glaube, dass das, was der Öffentlichkeit ist ein öffentliches Gut ist, und wenn das jemand beschneiden will, wie beim Verpixelungsrecht, dann verliert die Öffentlichkeit etwas.

- Weiter: Alle Bits sind gleich. Ist ein Bit gestoppt oder umgeleitet, ob der Iran Teile des Netzes sperrt oder China, dann kann nichts als frei im Netz angesehen werden.

- Schließlich muss das Internet offen bleiben und verteilungsfähig. Niemand kann die Souveränität darüber gewinnen. Ich fordere einen hippokratischen Eid für das Netz: Erstens, ich schade dem Netz nicht.

Ich sage dies in einem land, dass uns das bisher größte Instrument von Öffentlichkeit gegeben hat: die Gutenberg Druckerpresse. Gutenberg war, glaube ich, unsere erster Technologieunternehmer. Er ist unglaublich schwierige technische Probleme angegangen: Metallurgie, Papier und Tinte, die Massenproduktion, und vieles mehr. Er experimentierte in der Öffentlichkeit. Das Endprodukt, die Bibel zeigte den Perfektionismus eines Steve Jobs. Leider verlor er sein Geschäft, als er bereit war, seine Bibeln zu verkaufen. Er stand vor der gleichen geschäftlichen Herausforderungen, wie im Silicon Valley heute Start-Ups. Dann wandte sich Gutenberg vom geheimnisvollen zum öffentlichen, er verbreitete sein Wissen. War Gutenberg am Ende ein öffentlicher Versager? Als Geschäftsmann, vielleicht. Aber nur wenige Distributoren haben die Welt mehr verändert.

Ich fordere Sie auf, sich an den Geist Gutenbergs zu erinnern und unser nächstes Instrument der Öffentlichkeit, das Netz, zu pflegen. Wir sollten bereit sein, öffentlicher zu leben, zu arbeiten und zu regieren; wir sollten die Vorteile der Verbindung mit anderen ernten.

Vielen Dank."

Übersetzung: Christian Tretbar

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