Kolumne "Ich habe verstanden" : Wenn das Leben ein Film wäre – wie würde der Trailer dazu aussehen?

Unser Kolumnist Matthias Kalle hat zwei Laster: Das Rauchen und Trailer von Kinofilmen im Netz schauen, auch mal in der Dauerschleife. Es ist ein kurzes Vergnügen, und am Ende bleibt man unbefriedigt, von den langfristigen Folgen ganz zu schweigen.

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Unser Kolumnist hat weder das Buch gelesen, noch den Film gesehen. Ein kurzer Trailer reicht für eine abschließende Meinung.
Unser Kolumnist hat weder das Buch gelesen, noch den Film gesehen. Ein kurzer Trailer reicht für eine abschließende Meinung.Foto: DPA

Ich habe, zugegeben, nicht viele Schwächen. Das mit dem Rauchen ist ein bisschen ärgerlich, da muss ich irgendwann mal etwas gegen unternehmen, andererseits ist es meine einzige Sucht, es hätte also auch noch schlimmer kommen können. Außerdem schaue ich mir gerne Trailer von Kinofilmen an, das kann man im Internet ja quasi ununterbrochen machen. Es gibt Tage, da mache ich nichts anderes. Von einer Sucht möchte ich allerdings trotzdem nicht sprechen.

Ich habe mal irgendwo gelesen, dass das Erstellen von Filmtrailern eine eigene Kunst, ein eigenes Handwerk sei: Spezialisten würden diese meist zweiminütigen Clips herstellen, man unterscheidet dabei zwischen „Teasern“ und „Trailern“, wobei mit der Unterschied nicht so ganz klar ist. Meine Vermutung lautet, dass man bei „Teasern“ noch weniger begreift, wobei es um den fertigen Film eigentlich gehen soll als bei „Trailern“. Bei Trailern soll man mindestens eine Ahnung haben.

Dabei bedeutet das englische Wort „trailer“ ja eigentlich Anhänger, es meint also etwas, das eher hinten dran ist, und das liegt daran, dass früher die kleinen Clips für kommende Filme erst nach dem Hauptfilm im Kino liefen. Damals schauten sich die Leute also noch den Abspann an, heute interessiert sich niemand mehr dafür, wer bei einem Film die Aufgabe des „best boy“ übernommen hat.

Man muss den Film dann gar nicht mehr schauen

Dafür ist das Interesse an den Trailern gestiegen, ihre Veröffentlichung wird manchmal ähnlich großspurig angekündigt wie der Starttermin des eigentlichen Filmes. Als Ende der 90er Jahre der erste Trailer zu „Star Wars I – Die dunkle Bedrohung“ in den Kinos lief, kauften sich Menschen nur dafür eine Eintrittskarte. Nach dem Trailer verließen sie dann den Saal.

Ich glaube übrigens, dass manche Trailer besser sind als der eigentliche Film, und dieser Glaube hat dazu geführt, dass ich kaum noch ins Kino gehe, weil ich immer das Gefühl habe, ich hätte das Beste bereits umsonst gesehen. Ich bezweifle, dass das der Sinn hinter den Trailern ist, eigentlich müssten die Dinger die Menschen doch in die Kinos treiben. Vor zwei Wochen erschien der erste Trailer der Bestsellerverfilmung „50 Shades of Grey“. Ich habe das Buch nicht gelesen, der Inhalt ist nicht so mein Fall, und den Film werde ich mir auch nicht anschauen, denn es ist wohl auch ein schlechtes Zeichen, wenn einem ein Trailer verrät, welche Schauspieler man eigentlich für diesen Film haben wollte (und die dann, aus nachvollziehbaren Gründen abgesagt haben).

Trailer sind nämlich so wie Zigaretten

Deshalb sieht man im Trailer einen männlichen Hauptdarsteller, der aussieht wie Ashton Kutscher und eine weibliche Hauptdarstellerin, die aussieht wie Anne Hathaway. Dafür sieht man in den beiden Trailern, die es jetzt für Christopher Nolans neuen Film „Interstellar“ gibt, im Prinzip nichts – das sieht aber fantastisch aus. Worum es genau geht? Man kann es nur ahnen (irgendwas mit Wurmloch und Menschenretten). Der Trailer zu der Fortsetzung der Brachialkomödie „Dumm und dümmer“ allerdings lässt keine Frage offen, leider auch nicht die, die man sich niemals stellen wollte.

Dafür stellt man sich dann andere Fragen, zum Beispiel: Wenn das eigene Leben ein Film wäre – wie würde dann der Trailer dazu aussehen? Wie wäre der Soundtrack – und würden andere Leute denken: Och, ganz interessant, das schau ich mir dann mal an. Aber möglicherweise machen Menschen genau das, wenn sie andere Menschen kennenlernen: Sie bieten einen Trailer ihres Lebens, und der andere kann dann entscheiden, ob Lust auf die Langfassung hat.

Mitunter aber ist die Sache mit den Trailern zu vergleichen mit dem Rauchen: Es ist ein kurzes Vergnügen, und am Ende bleibt man unbefriedigt, von den langfristigen Folgen ganz zu schweigen.

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