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Kristina Schröder : Warum ich nicht auf den Quotenzug aufspringe

16.03.2012 12:52 UhrVon Kristina Schröder
Bundesfamilienministerin Kristina Schröder (CDU) ist nicht überzeugt von einer Frauenquote bei Führungskräften. Foto: dapdBild vergrößern
Bundesfamilienministerin Kristina Schröder (CDU) ist nicht überzeugt von einer Frauenquote bei Führungskräften. - Foto: dapd

Frauenquoten bekämpfen Symptome, nicht Ursachen - meint Familienministerin Schröder. Wandel funktioniere nicht per ordre de mufti. Sie fordert Chancen für alle statt einen Quotenaufzug für wenige Führungskräfte.

Warum ich es mir als Frauenministerin nicht einfacher mache und auf den Quotenzug aufspringe? Aus kaltem politischem Kalkül müsste ich wahrscheinlich so agieren. Allein: Ich bin nicht überzeugt. Im Gegenteil: Ich halte die Einheitsquote sogar für einen Fehler, gerade aus frauenpolitischer Sicht. Ich bin gegen gesetzlich vorgeschriebene starre Frauenquoten in der Privatwirtschaft.

Und ich verwahre mich auch dagegen, dass sich Deutschland so etwas von der EU diktieren lässt.

Wenn man sehr hoch fliegt, sieht eine starre Quote nach mehr Gerechtigkeit aus. In der Tat passt es nicht zusammen, dass wir so viele hochqualifizierte Frauen haben – aber so wenige Frauen in den Vorständen und Aufsichtsräten. Natürlich gibt es hier ein Problem. Nur: Was aus der Vogelperspektive richtig erscheint, kann bei der ganz konkreten Auswahlentscheidung zu einer massiven Diskriminierung führen. Wenn jemand eindeutig besser für einen Job qualifiziert ist und ihn nur deshalb nicht bekommt, weil der Staat eine Geschlechterquote diktiert, dann ist das eine klare Benachteiligung aufgrund des Geschlechts. Ein einzelner Mensch sollte nicht dafür haftbar gemacht werden, was Generationen seiner Geschlechtsgenossen falsch gemacht haben. Eine solche Kollektivhaftung halte ich gleichstellungspolitisch für falsch und verfassungsrechtlich für höchst problematisch.

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Meinung  08.03.2012  MinVideo zur Frauenquote

Auch frauenpolitisch ist eine Einheitsquote ein Fehler, denn sie ändert im Alltag des Großteils der Frauen überhaupt nichts. Zu glauben, dass mehr Frauen im obersten Stockwerk automatisch dazu führen, dass auch in den Stockwerken darunter mehr Frauen auf die Chefsessel wechseln, ist naiv. Das zeigt das viel zitierte Beispiel Norwegens. Die dortige 40-Prozent-Quote für Aufsichtsräte habe keinen Einfluss auf das Einstellungsverhalten von Firmen gehabt, sagt eine Expertin vom Osloer Institut für Unternehmensvielfalt. Es habe sich gezeigt, dass Frauen in Aufsichtsräten nach denselben Prinzipien arbeiteten wie die Männer, die sie verdrängt hätten. Die Rechnung „Mehr Frauen im Aufsichtsrat gleich mehr Frauen in allen Führungspositionen“ ist offenkundig eine Milchmädchenrechnung.

Als Frauenministerin widerstrebt es mir, zwar einigen hundert Kandidatinnen in den Aufsichtsrat zu helfen, aber die mittleren und unteren Führungsebenen sehenden Auges sich selbst zu überlassen. Wir brauchen Chancen für alle statt einen Quotenaufzug für wenige. Dazu müssen wir an die Ursachen ran.

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