Merkel und der Euro : Wann wird „Madame No“ weich?

Die Bundeskanzlerin hat es wieder allen gezeigt, Griechenland lässt sie abblitzen, den europäischen Regierungschefs diktiert sie die Bedingungen für die Eurorettung. Die Wähler stehen hinter ihr, die Opposition im eigenen Land hat kapituliert. Doch Merkel wandelt auf einem schmalen Grat.

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Merkel ist am Ball, aber wie lange noch? Die Kanzlerin muss in der Euro-Krise handeln, statt immer nur Nein zu sagen.
Merkel ist am Ball, aber wie lange noch? Die Kanzlerin muss in der Euro-Krise handeln, statt immer nur Nein zu sagen.Foto: Reuters

Die Woche der Euro-Entscheidung hat begonnen und damit die vielleicht wichtigste Woche in der Amtszeit von Bundeskanzlerin Angela Merkel. Am Donnerstag und Freitag treffen sich in Brüssel die Staats- und Regierungschefs zum EU-Gipfel. Am Freitagabend tritt dann der Bundestag zusammen, um den Fiskalpakt und den Europäischen Stabilitätsmechanismus (ESM) zu verabschieden. Anschließend berät das Bundesverfassungsgericht. In Berlin und Karlsruhe steht die Gegenwart der Eurokrise auf der Tagesordnung, in Brüssel werden bereits neue Rettungspläne geschmiedet.

Alle Beteiligten wissen, dem Euro stehen neue Turbulenzen bevor, nicht nur in Griechenland, sondern auch in Spanien, in Zypern oder Italien. Selbst Frankreich könnte schon bald in den Strudel der Eurokrise hineingezogen werden. Die Zeit drängt. Europa muss noch enger zusammenrücken. Europäische Schicksalstage haben begonnen, sie werden die EU nachhaltig verändern und die Bundeskanzlerin braucht eine neue Europa-Strategie. Die Tage des Zögerns, Zauderns und Durchwurstelns sind vorbei.

Zunächst jedoch werden die kommenden Tage für Angela Merkel noch einmal Tage des Triumphes sein. Die Kanzlerin hat sich noch einmal als „Madame No“ in Europa durchgesetzt. Der Fiskalpakt, der alle Euroländer zu einer rigiden Sparpolitik zwingt, trägt ihre Handschrift. Den neuen französischen Präsidenten François Hollande hat sie mit einem Alibi-Wachstumspakt, das nur bereits bereitstehende Gelder umschichtet, abgespeist. Die Bitte der neuen griechischen Regierung, ihr mehr Zeit zur Umsetzung der Sparauflagen zu geben, hat die Kanzlerin kühl abgelehnt. Auch auf dem G20-Gipfel im Mexiko vergangene Woche hat sie allem Drängen der internationalen Staatengemeinschaft zu einem stärkeren finanziellen Engagement der Deutschen widerstanden.

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