Politikerkarrieren : Vier Regeln auf dem Hochseil der Macht

Wie kann es sein, dass Spitzenpolitiker ihre Ressorts wechseln wie andere Menschen ihre Urlaubsziele? Fachwissen stört nicht, aber wichtiger sind andere Qualitäten.

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Ein Fehltritt und die Karriere kann zu Ende sein.
Ein Fehltritt und die Karriere kann zu Ende sein.Foto: Imago

An Selbstbewusstsein mangelt es Ursula von der Leyen nicht. Sie lächelt viel und redet gerne. Sie traut sich, in der Politik heiße Eisen anzupacken, ohne Rücksicht auf die Grundüberzeugungen ihrer Partei. Sie ist forsch, wirkt zuweilen arrogant. Ihre politische Karriere vollzog sich im Eiltempo. Innerhalb von zehn Jahren stieg sie von einer einfachen Stadträtin im niedersächsischen Sehnde zur CDU-Hoffnungsträgerin und eine der beliebtesten Politikerinnen Deutschlands auf. Wenn die CDU in ein paar Jahren eine Nachfolgerin für Bundeskanzlerin Angela Merkel sucht, dann ist die 55jährige eine heiße Kandidatin. Als erste Frau an der Spitze der Bundeswehr fremdelte sie nur kurz.

Und trotzdem fragen sich viele, geht das? Wie kann eine Frau, die sich bislang mit Gedöns-Themen beschäftigt hat, in der Regierung für Frauen-, Familien, und Sozialpolitik zuständig war, wie kann eine solche Frau in der harten, kriegerischen und Testosteron gesteuerten Soldatenwelt bestehen?

Wie kann es sein, dass Spitzenpolitiker ihre Ressorts wechseln, wie andere Menschen ihre Urlaubsziele? Wie kann aus dem CDU-Generalsekretär Hermann Gröhe, der Krankenhäuser bislang nur als Patienten kannte, ein guter Gesundheitsminister werden? Warum vertraut die SPD das Umweltministerium ihrer bisherigen Schatzmeisterin Barbara Hendricks an, obwohl es in der Partei eine ganze Reihe profilierter Umweltpolitiker gibt. Wie konnte die CSU auf die Ideen kommen, ihren bisherigen Innenminister Hans-Peter Friedrich zum Landwirtschaftsminister zu machen?

Natürlich kann Fachwissen nicht schaden, wenn ein Politiker ein Ministerium übernimmt. Natürlich kann es sinnvoll sein, sich auf die Übernahme eines Ministeramtes fachlich vorzubereiten. Die neue Arbeitsministerin Andrea Nahles zum Beispiel hat dies über Jahre getan. Forschungsministerin Johanna Wanka (CDU) hat sogar in Merseburg eine Hochschule geleitet, bevor sie in die Wissenschaftspolitik gewechselt ist.

Berufung in ein Amt hängt nicht unbedingt vom Fachwissen ab

Aber die Frage, ob ein Spitzenpolitiker in seinem Amt erfolgreich bestehen kann, hängt nicht so sehr vom Fachwissen ab. Bundesminister absolvieren einen Höllenjob. Sie stehen sieben Tage die Woche unter öffentlicher Beobachtung. Sie arbeiten viel und schlafen wenig. Politik auf diesem Niveau ist ein permanenter Hochseilakt. Ein falsches Wort am falschen Ort kann die Karriere kosten, das falsche Thema die Beliebtheitswerte zum Absturz bringen. Der bröckelnde Rückhalt in der Partei kann sich schnell zur gefährlichen Intrige ausweiten.

Wer als Spitzenpolitiker auf dem Hochseil bestehen will, der braucht deshalb nicht so sehr Fachwissen. Fachwissen stört nicht, wenn Politiker Karriere machen, aber viel wichtiger sind andere Qualitäten. Minister sind politische Manager der Macht, als solche müssen sie, wenn sie sich behaupten wollen, vor allem vier Regeln beachten. Völlig unabhängig davon, welches Spitzenamt sie bekleiden.

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