Position : Falsche Moschee am falschen Platz

Auf den Straßen demonstrieren die Demonstranten für und gegen die Moschee in der Nähe von Ground Zero. Warum die Debatte so vehement geführt wird.

Benjamin Weinthal
Hitzige Diskussion um die umstrittene Moschee.
Hitzige Diskussion um die umstrittene Moschee.Foto: dpa

In diesen Wochen tobt in den USA eine Debatte über den geplanten Bau einer Moschee in unmittelbarer Nähe von Ground Zero, dem Ort in New York, an dem Dschihadisten 2001 einen Massenmord im Namen des Islam verübten.

Als ich am 11. September 2001 kurz vor neun Uhr in meiner Wohnung in Manhattans Gramercy Park im Radio von dem ersten Flugzeug hörte, das in den Nordturm des World Trade Center (WTC) flog, war mir sofort klar, dass New York einen neuen Terrorangriff erlebt. Die Erinnerung an den islamistischen Bombenangriff 1993 auf die Zwillingstürme tauchte rasch in meinem Kopf auf. Damit begann ein zentrales Kapitel des kollektiven Lebens der USA. Ich ging nach draußen und lief entlang der Third Avenue in Richtung World Trade Center. Es war wenige Minuten nach neun Uhr morgens als das zweite entführte Flugzeug in den südlichen Turm des WTC flog. Der Ausgang des Terroranschlags war verheerend: Fast 3000 Menschen sind diesem von Islamisten verübten Kriegsakt zum Opfer gefallen.

An den folgenden zwei Tagen war ich auf der Suche nach dem Bruder der Verlobten meines Mitbewohners. Ich fragte in verschiedenen Krankenhäusern nach, ob er dort läge. Er hat den Terrorakt auf das WTC nicht überlebt.

Die entscheidende Frage heute ist: Soll oder darf Imam Faisal Abdul Rauf sein Projekt „Cordoba“, den Bau einer Moschee nahe Ground Zero, durchführen?

Die amerikanische Bevölkerung ist fortschrittlicher als Präsident Barack Obama und weiß, dass Raufs Recht auf den Bau einer Moschee auf einem Privatgrundstück klar von der US-Verfassung geschützt ist.

Sie wertet Obamas Verteidigungsrede der Religionsfreiheit daher als oberflächlichen Versuch, das Unternehmen mit erhobenem Zeigefinger zu kritisieren.

Es gibt keine andere westliche Demokratie als die USA, in der die Religionsfreiheit so ausgeprägt ist und geschützt wird. Doch die große Mehrheit der Amerikaner, einschließlich des Chefs der Demokraten im Senat Harry Reid und dem ehemaligen linken demokratischen Präsidentschaftskandidaten Howard Dean, sind gegen den Moscheebau. Der Hauptgrund ist offensichtlich, dass der Imam bei seinem Moscheeprojekt nahe Ground Zero ohne Sensibilität gegenüber den Opfern und deren Angehörigen vorgeht. Sie sind der Meinung, dass Ground Zero der falsche Ort ist und Faisal Abdul Rauf einen anderen Platz für die Moschee finden sollte.

Foto: privat
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Das Paradox dieser Auseinandersetzung ist, dass Faisal Abdul Rauf sich als Repräsentant eines moderaten Islams in den USA versteht und Brücken schlagen will. Er plädiert für Toleranz, für einen „amerikanischen Islam“. Seine Herangehensweise und Äußerungen sorgen jedoch für Streit und Entrüstung. So lehnt er die Bezeichnung von Hamas als terroristische Organisation ab, und verteidigt 2009, während der blutigen Unterdrückung der iranischen Freiheitsbewegung, die „Leitsätze der Revolution von 1979“ im Iran.

Auch machte Faisal Abdul Rauf Furore, als er die Amerikaner „Helfershelfer des Verbrechens“ am 11. September nannte. Angesichts dieser Fakten kann man diese Moschee am Ground Zero als eine Art Triumph des dschihadistischen Islam sehen. Nach einer vorsichtigen Einschätzung führen mehr als 80 Millionen Islamisten einen Krieg gegen den Westen. Die drei jüngsten Anschläge in den USA sind von einer extremen islamischen Ideologie motiviert. Der islamistisch radikalisierte Militärpsychiater Nidal Malik Hasan ermordete vergangenen November 13 Menschen und verletzte 30 in Fort Hood. Vor diesem Hintergrund kann man nicht von einer wahnhaften „Islamophobie“ der Amerikaner reden. Mit diesem wahrscheinlich aus der Islamischen Republik Iran kommenden Kampfbegriff soll vielmehr Kritik an realen islamistischen Ideologien und Gefahren abgewehrt und denunziert werden.

Der Autor ist Europakorrespondent der „Jerusalem Post“ und Fellow der „Foundation for Defense of Democracies“.

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