Titelfeier auf der Fanmeile : Fragen über Fragen nach WM-Party

Unser TV-Kolumnist Matthias Kalle hat sich die Feierlichkeiten nach dem Weltmeistertitel trotz kurzer Wege lieber im Fernsehen angeschaut. Wirklich unterhaltsam fand er die Übertragung allerdings nicht. Dafür drängen sich reihenweise Fragen auf.

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15.07.2014 12:18Einmal die Polonaise über die Bühne.

Über das Finale der Fußballweltmeisterschaft, das Ergebnis und die so genannte Feier auf der Berliner Fanmeile am Dienstag wurde ja bereits von jedem eine Meinung eingeholt, nur noch nicht von mir. Das liegt zum einen daran, dass diese Kolumne immer erst am Freitag erscheint. Und zum anderen liegt es daran, dass ich möglicherweise gar keine Meinung zu diesen Dingen habe.

Jedenfalls staune ich seit Sonntagabend über die Meinungen meiner Kollegen. Die sitzen alle so bombenfest, sind gut begründet, scharf formuliert. Ich staune auch darüber, dass bereits jeder Meinung widersprochen wurde, ebenfalls bombenfest, gut begründet und scharf formuliert. Dieses Staunen führte dann bei mir dazu, dass ich mich tagelang nicht getraut habe, mit meiner Nicht-Meinung in die Öffentlichkeit zu gehen. Allerdings habe ich mir dieses Fanmeilen-Gedöns am Dienstag im Fernsehen angeschaut. Sich Dinge im Fernsehen anzuschauen, sich dann eine Meinung darüber zu bilden und dann darüber zu schreiben – in diesen drei Dingen macht mir ja kaum einer was vor. Sicheres Terrain also. Dann passen Sie mal auf:

Die Rückkehr der Weltmeister
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15.07.2014 12:18Einmal die Polonaise über die Bühne.

Ich habe mir das alles im Fernsehen angeschaut, in meinem Büro, zum Brandenburger Tor brauche ich zu Fuß fünf Minuten, ich bin da nicht hingegangen, auch nicht an die Wilhelmstraße oder so. Ich habe in meinem Leben schon sehr viele LKW gesehen, die nicht besonders schnell fuhren – das waren selten aufregende Ereignisse. Durch das Medium Fernsehen wird ein langsam fahrender LKW nicht besser und Steffen Simon trat den Beweis an, das er im Prinzip nichts, was sich auch nur annährend bewegt, adäquat kommentieren kann. Immerhin: Simons Leistung war besser als die des Moderators des Radiosender 104,6, der die Aufgabe hatte, die 400.000 Menschen auf der Fanmeile zu unterhalten bis Alexanders Bommes (ARD) und Sven Voss (ZDF) übernahmen. Bommes und Voss gehören zu jenen Moderatoren bei den Öffentlich-rechtlichen, die „aufgebaut“ werden sollen und die „zu Höherem berufen“ sein sollen. Wieso, weshalb, warum – diese Fragen konnten auch nach dem Dienstag nicht beantwortet werden.

Viele Fragen bleiben offen

Aber auch andere Fragen blieben offen, zum Beispiel:

- Warum ziehen vor allem sehr dicke Männer Fußballtrikots an, obwohl doch jedem klar sein sollte, dass Fußballtrikots nicht für sehr dicke Männer gemacht werden?

- Warum musste die Klose-WG einen vermeintlichen „Gag“ von Oliver Pocher wiederholen, der schon 2008 nicht gut war und sechs Jahre später nicht besser wird?

- Was hat Marius Müller-Westernhagen am Brandenburger Tor gemacht?

- Wieso kann sich Per Mertesacker relativ geschmeidig bewegen?

- Wie passen De Höhner und Helene Fischer mit dem angeblichen Image dieser deutschen Nationalmannschaft zusammen?

- Wer würde bei einem ZDF-Online-Voting ganz oben stehen, wenn man diese Woche nach „den besten Deutschen“ fragen würde?

- Wird die Sendung „ARD Buffet“, die ja laut Programmhinweis entfiel, jemals wiederholt?

- Und falls ja: Moderiert die in Zukunft Thomas Müller?

- Muss ich offiziell beantragen, dass ich nicht Weltmeister bin?

Ach, alles war klarer, einfacher, logischer als die Weltmeisterschaft noch lief. Vier Jahre warten. Aber irgendwas werden die im Fernsehen bestimmt in der Zwischenzeit zeigen. Oder?

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