Wahlkampf in Bayern : Ein Hauch von Panik bei der CSU

Die absolute Mehrheit ist das Ziel. Dafür kuschelte Horst Seehofer in der vergangenen Woche sogar mit der Kanzlerin. Hinter der Wandlungsfähigkeit Seehofers steckt aber ein größeres Problem: Die CSU ist auf der Suche nach sich selbst.

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Da kann man schon mal ins Schwitzen kommen. Horst Seehofer muss 2013 für die CSU die bayrische Landtagswahl gewinnen, sonst wird es eng für ihn. Foto: dpa
Da kann man schon mal ins Schwitzen kommen. Horst Seehofer muss 2013 für die CSU die bayrische Landtagswahl gewinnen, sonst wird...Foto: dpa

Es ist erst eine Woche her, da zelebrierte die CSU auf ihrem Parteitag in Nürnberg ihr scheinbar unerschütterbares Selbstbewusstsein. Kein Zweifel sollte in der Öffentlichkeit daran aufkommen, dass die Macht in Bayern auch weiterhin in den Händen der Christsozialen liegen werde. Vergessen die innerparteilichen Intrigen, vergessen die europapolitischen Stänkereien, vergessen die Sprunghaftigkeit des Ministerpräsidenten und CSU-Vorsitzenden Horst Seehofer. Vergessen auch die Wahlniederlage vor vier Jahren, die die bayerische Staatspartei erstmals nach fünf Jahrzehnten Alleinherrschaft zwang, mit der FDP eine Koalitionsregierung zu bilden.

„Mir san mir“, so heißt es bei der CSU und pünktlich zum Parteitag vermeldeten die Demoskopen für die CSU gute Umfragewerte. Elf Monate vor der Landtagswahl steht die CSU wieder bei 48 Prozent und kann sich demnach Hoffnung machen, die absolute Mehrheit im bayerischen Landtag zurückerobern zu können.

Doch nach einer Woche hektischer Diskussionen über das Verhältnis der CSU zu den Medien, nach dem Rücktritt des Parteisprechers Hans Michael Strepp und einem eher suboptimalen Krisenmanagement, sieht die christsoziale Welt schon wieder ganz anders aus. In der CSU brodelt es, die Basis ist verunsichert.

Im Grunde war der Anruf des Parteisprechers beim ZDF eine Lappalie, der Versuch einen Bericht über den SPD-Landsparteitag zu verhindern, völlig überflüssig. Aber die sogenannte ZDF-Affäre und vor allem der Umgang der CSU mit ihr zeigen, die Partei ist nervös. Und es ist kaum zu glauben, dass der Parteisprecher sich ganz alleine und aus eigenem Antrieb dazu verleiten ließ.

Die Parteistrategen wissen, Horst Seehofer kann sich überhaupt nicht darauf verlassen, dass es mit dem angepeilten Wahlsieg und der Rückeroberung der absoluten Mehrheit im September 2013 klappt. Die Zustimmung der Wähler zur CSU ist fragil, die Stimmung kann schnell kippen. Die kommenden elf Monate sind voller Unwägbarkeiten. Zumal die SPD mit dem Münchener Oberbürgermeister Christian Ude zum ersten Mal seit Langem wieder einen ernst zu nehmenden Herausforderer nominiert hat. Die heile bayrische Welt der CSU zeigt längst tiefe Risse.

CSU-Anruf beim ZDF
Für Horst Seehofer kommt die Affäre Strepp zu einem ungünstigen Zeitpunkt: Der bayerische Ministerpräsident bringt sich gerade für die Landtagswahl in Position, da wird der CSU-Sprecher heftig wegen angeblich versuchter Einflussnahme auf die Berichterstattung der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten angegriffen. Foto: dapdAlle Bilder anzeigen
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25.10.2012 11:13Für Horst Seehofer kommt die Affäre Strepp zu einem ungünstigen Zeitpunkt: Der bayerische Ministerpräsident bringt sich gerade für...

Bereits auf dem Parteitag in Nürnberg musste sich die CSU eingestehen, dass es keine eigene Stärke ist, die die CSU in den Meinungsumfragen stabilisiert hat. Nicht das Poltern des CSU-Generalsekretärs gegen den Euro hat den bayerischen Wählern gefallen, sondern das Krisenmanagement der Bundeskanzlerin. Nicht wegen der Dauerstichelei gegen den Koalitionspartner FDP hat sich die CSU erholt, sondern trotz. Nicht Horst Seehofer ist im Wahlkampf der kommenden Monate der wichtigste Trumpf der CSU, sondern Angela Merkel.

Der CSU-Vorsitzende höchstpersönlich musste einräumen, dass es für die CSU gefährlich werden könne, weiterhin gegen die Kanzlerin und ihre Euro-Krisen-Politik zu opponieren. Eben noch wollte die CSU die Griechen möglichst noch in diesem Herbst aus dem Euro schmeißen, jetzt wollen sie dem Land wie Merkel zwei Jahre mehr Zeit geben. Einen so tiefen Diener vor der Schwesterpartei hat schon lange kein CSU-Parteitag mehr gemacht. Für das Selbstbewusstsein der CSU ist so etwas gar nicht gut.

Zu allem Überfluss machte sich Horst Seehofer in diesen Tagen öffentlich Gedanken über seinen Nachfolger, nannte vier Namen sowie einen „Joker“. Seehofer hat Spaß daran, seine Mitstreiter wie Marionetten durch die politische Arena zu führen und so seine uneingeschränkte Macht innerhalb der CSU zu zelebrieren. Doch gleichzeitig bereitete er so das Feld für neue innerparteiliche Intrigen und verunsicherte gleich zu Beginn des Wahlkampfes die Parteibasis.

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