Zuwanderung : Deutschland muss sich für qualifizierte Ausländer öffnen

Warum nicht verfahren wie bei Fußballern? Weg mit der Vorrangprüfung, damit die wenigen Asse, die es überhaupt noch nach Deutschland zieht, nicht weiter vergrault werden. Ein Zwischenruf.

Barbara John

Beim Fußball in Deutschland klappt es immer; am Arbeitsmarkt nur selten, wenn es um die Beschäftigung von ausländischen Spitzenkräften geht. Wird bei renommierten Vereinen ein Ballkünstler gebraucht, folgt die Aufenthaltserlaubnis auf dem Fuß und auch die deutsche Staatsangehörigkeit, falls notwendig. Absurd erschiene den Vereinsmanagern in Fällen der Spieleranwerbung, die Bundesagentur für Arbeit einschalten zu müssen, damit sie herausfindet, ob nicht irgendwo in den europäischen Mitgliedsstaaten ein ebenbürtiger Spieler zur Verfügung steht. Und nur der erhielte dann einen Vertrag, denn er ist nach dem deutschen Arbeitserlaubnisrecht vorrangsberechtigt.

So hinderlich läuft es allerdings ab, wenn Mediziner, Ingenieure oder andere Hochqualifizierte in Deutschland gebraucht werden, die mit einem Einstiegsgehalt von unter 63 000 Euro anfangen. Bei ihnen wird immer die bürokratische Abfrageorgie in Gang gesetzt; selbst dann wenn sie in Deutschland erfolgreich ihr Studium abgeschlossen haben. Sie alle gelten als „nachrangig“ bei der Erteilung einer Arbeitserlaubnis.

Ist ja lieb und fürsorglich gedacht von der Bundesregierung, der zu Recht die vielen Arbeitslosen nicht aus dem Kopf gehen. Nur, es hilft jenen keinen Millimeter in Richtung gut bezahlte Arbeit, weil die meisten dafür nicht gut genug ausgebildet sind. Da nutzen auch die circa 10 Milliarden Euro nicht, die seit Jahrzehnten jährlich für berufliche Weiterbildung ausgegeben werden von der Bundesagentur und ihren Jobcentern. Ein arbeitsloser Dönerverkäufer mag zwar in Kursen neue Fertigkeiten lernen, aber in einen Lebensmittelingenieur verwandelt er sich nicht. Deshalb ist es eine politische Selbsttäuschung, immer noch an das Weiterbildungswunder zu glauben und Gutausgebildete abzuweisen. Warum nicht verfahren wie bei Fußballern? Weg mit der Vorrangprüfung, damit die wenigen Asse, die es überhaupt noch nach Deutschland zieht, nicht weiter vergrault werden. Außerdem könnte ihre Zahl von Jahr zu Jahr neu festgesetzt werden.

Haben wir in fast 60 Jahren nicht gelernt, dass soziale Netzwerke das A und O bei der Einwanderung sind? Wo sich schon viele gering Qualifizierte aufhalten, zieht es andere nach. Das gilt aber auch für Hochqualifizierte; nur bevorzugen die Länder wie die USA, Kanada, Großbritannien, nicht aber Deutschland.

Ein Land, das seit einigen Jahren ständig Fachkräfte ans Ausland verliert und gleichzeitig die wenigen noch Zuzugswilligen draußen vor der Tür lässt, weiß nicht, was es will.

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