Meinung : „Andere setzen längst wieder auf Kohle“

Jürgen Zurheide

Wenn man diesen Mann auf die aktuell 2,6 Milliarden Euro Kohlesubventionen in Deutschland anspricht, bekommt man immer wieder eines zu hören: Weltweite Versorgungsrisiken im Energiebereich und die künftig steigenden Preise machten die Kohle wieder attraktiv. Und: „Es könnte glatt passieren, dass wir Deutschen die letzte Zeche schließen, wenn wir endlich wettbewerbsfähig sind und andere wieder auf die Kohle setzen.“

Weil der Ruhrkohle-Chef diese Art von Klartext pflegt, verunsichert er gelegentlich Freund und Feind. Der eine oder andere im Konzern äußert Bedenken an der Ernsthaftigkeit seines Kohle-Bekenntnisses – zumal niemandem entgangen ist, dass die aktuellen Kohlegespräche von der Union mit dem von Müller verfochtenen Börsengang seines Unternehmens verknüpft worden sind. „Wir stimmen dem nur zu, wenn ein Ausstiegsdatum für die Kohle genannt wird“, formuliert der Düsseldorfer CDU-Ministerpräsident Jürgen Rüttgers. Weil Müller den Börsengang trotz dieses eigentlich sachfremden Junktims vorantreibt, steht er im Verdacht, die Kohleinteressen für seinen Börsengang zu opfern.

„Das ist eine Überlebensfrage für den ganzen Konzern“, rechnet Müller vor; er vergisst nicht, auf die Zinsdifferenz hinzuweisen, die entsteht, weil dem RAG-Konzern der Weg an die Börse versperrt ist. Das Konglomerat aus staatlich unterstütztem Kohlebereich und anderen Konzernteilen leidet an der Unternehmensstruktur. Der weiße Bereich – die Steag, die Immobilientochter und Degussa – haften für die Kohle und können sich nur zu schlechteren Konditionen als andere Unternehmen refinanzieren.

Um das zu brechen, hat sich der parteilose Ex-Bundeswirtschaftsminister unter der Regierung Schröder einen verwegenen Plan ausgedacht. Er will den schwarzen Bereich in eine Stiftung überführen, den weißen an die Börse bringen und mit dem Erlös die Altlasten der Kohle abdecken. „Davon hat der Staat etwas, und das Unternehmen kann sich entwickeln“, lautet sein Fazit.

Im Moment stört nur noch die Frage des Kohleausstieges, die zwischen CDU und SPD unterschiedlich diskutiert wird. Doch Müller wäre nicht Müller, wenn er nicht eine Antwort parat hätte: Der anvisierte Ausstieg für 2018 könnte 2012 im Lichte neuer energiepolitischer Erkenntnisse auf den Prüfstand gestellt werden, gibt er zu bedenken. Damit könnten eigentlich sowohl die Union als auch die Genossen leben.

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