Banker müsste man sein. Dann ginge man einfach einkaufen und wenn man merkt, dass das Geld für den prall gefüllten Warenkorb nicht reicht, lässt man beim Staat anschreiben. Da der Staat nichts außer unserem Geld hat, zahlen wir alle mit 18,2 Milliarden Euro, dass die Commerzbank, die nur noch vier Milliarden Euro wert ist, sich die Dresdner Bank leisten kann.
Sollte ich dasselbe bei meinem nächsten Aldi-Einkauf versuchen, würde ich des Geschäfts verwiesen und, wenn ich Pech habe, der Polizei übergeben. Aber leider haben meine paar fehlenden Kröten keine das System stabilisierende Wirkung. Und deshalb gilt für mich wie für die meisten von uns die Alltagsvernunft, für Commerzbankchef Martin Blessing der Irrsinn des globalisierten Kapitalismus.
Man sage jetzt nicht, dass das Geld schließlich nicht verloren sei. Denn wie will der Staat von einem Schuldner 18 Milliarden zurückbekommen, der nur vier Milliarden wert ist. Keine Bank ließe sich auf ein solches Geschäft ein. Es ist schon Skandal genug, dass frei flottierende Spekulationsgeschäfte uns in eine Krise gestürzt haben, die nur dank der Steuermilliarden hoffentlich nicht zur Katastrophe für alle wird. Aber es ist unerträglich, wenn Fehlentscheidungen, die sonst der Markt korrigiert, nun auch unter staatlichen Schutz gestellt werden. Wenn sich die Commerzbank mit der Übernahme der Dresdner Bank verhoben hat, muss sie die Folgen davon tragen. Wenn für Porsche der Brocken Volkswagen zu groß sein sollte, muss er ihn wieder ausspucken, was geht das den Steuerzahler an?
So ganz allmählich stellt sich hier die Systemfrage. Offensichtlich muss eine Firma nur groß und volkswirtschaftlich wichtig genug sein, um sie im Ernstfall den für jeden Mittelständler geltenden Marktgesetzen zu entziehen. Doch dann sollte man so ehrlich sein und die Verstaatlichung der Schlüsselindustrien wieder in die Parteiprogramme schreiben, wie es Die Linke noch immer tut.
Über die Definition des Schlüssels kann man nach der Entwertung von Kohle und Stahl zwar verschiedener Meinung sein, Autos und Banken gehören heute aber bestimmt dazu. Was auf Dauer allerdings nicht geht, dass sich der Bäcker oder Kfz-Meister von nebenan allein den Wind der Konkurrenz und des endlichen Scheiterns um die Nase wehen lassen muss. Wie hieß einst eine zündende Wahlkampfparole: Freiheit statt Sozialismus. Verstaatlichung statt Sozialismus begreift niemand.
(Erschienen im gedruckten Tagesspiegel vom 12.01.2009)
Kommentare [ 8 ] Kommentar hinzufügen »
15 Mrd. kann sich jede Bank sowieso angeln. Würde bei Commerzbank plus Dresdner Bank zusammen schon mal 30 Mrd. machen. Also: Schnäääpsche gmocht! Im Übrigen wäre es ganz schön dumm, wenn so ganz plötzlich zwei Banken weniger im Geschäft wären. Konkurrenz ist immer gut für den Kunden.
http://www.tagesspiegel.de/wirtschaft/Unternehmen-Finanzkrise-Commerzbank;art129,2652012
Woran natüröicjh mal wieder nicjht der hauch einer Wahrheit dran ist.
Wieso ist es offenbar eine gesellschaftliche Aufgabe, abgehalfterten Politikern einen standesgemäßen Posten und eine entsprechend üppige Einkommensquelle zu beschaffen (letztes Beispiel Pflüger)? Könnten die sich nicht wie alle hinten anstellen und sich selbst um neue Jobs bewerben, anstatt sich Zucker in den Allerwertesten blasen zu lassen?
Unternehmen, die allein nicht lebensfähig sind, soll man untergehen lassen oder, falls in volkswirtschaftlichem Interesse, verstaatlichen. Bereiche, in denen es keinen Wettbewerb gibt, gehören sowieso verstaatlicht, wie z.B. das gesamte Energiewesen, das im Übrigen für die Volkswirtschaft und die Gesellschaft viel zu wichtig ist, als das es partikularen Privatinteressen überlassen werden kann.
Ständiger Wachstum ist auf Dauer nicht machbar und immer neue Zuwachsraten funktionieren nur bis das Schneeballsystem auffliegt.
Und wenn es so ist, ist alles was folgt, logisch. Alles andere wäre evtl. gerecht, aber dumm.