Andrea Ypsilanti : Sie kann’s nicht lassen

Diesmal hat es Andrea Ypsilanti geschafft. Sie hat die dritte Wand geschickt umfahren und ihren Kopf gerettet. Trotz aller Nackenschläge, die sie erfahren musste, funktioniert wenigstens eines noch bei der hessischen SPD-Chefin: ihr Machtinstinkt. Und diesmal auf besonders brutale Weise.

Christian Tretbar

Mit Thorsten Schäfer-Gümbel hat sie sich aus ihrem Lager einen Mann an die Seite geholt, der loyal ist und mit 39 Jahren noch als Generationswechsel, gar als Neubeginn verkauft werden kann. Er darf nun jene Suppe auslöffeln, die Ypsilanti der SPD mit ihrer Entscheidung für ein Linksbündnis eingebrockt hat. Sie selbst ist fein raus, bleibt Partei- und Fraktionschefin und hat eine einflussreiche Machtposition behalten. Verantwortung und Neubeginn sehen anders aus.

Mut war eines jener Attribute, mit dem Ypsilanti ihren Weg gern beschrieb. Doch mutig ist diese Entscheidung nicht. Auch wenn es merkwürdig erschienen wäre, aber es hätte Respekt verdient gehabt, wenn sie nochmal angetreten wäre und den Wähler gefragt hätte: Wollt ihr meinen Politikwechsel, ja oder nein? Permanent wiederholt sie bis heute die Formel, die Hessen wollen neue politische Inhalte. „Soziale Moderne“, „ökologischen Wandel“ – all das hätte sie selbst beim Wähler abfragen können. Doch es war ihr zu heikel. Vielleicht hätte sie erkennen müssen, dass vieles reine Autosuggestion war, was sie von sich gab.

Die Alternative wäre ein echter Rückzug gewesen. Einer, der dem neuen Spitzenkandidaten auch die Macht in der Partei verliehen hätte. Doch auch das war ihr zu heikel. Machtverzicht ist ihre Stärke nicht. So hat sie nun einen Weg eingeschlagen, der nach Kompromiss und Neuanfang aussieht, aber nur ihre eigene Macht sichert. Ein fauler Kompromiss. Und die Bundesspitze der SPD? Sie hat zugesehen, wie einer ihrer wichtigsten Landesverbände weiter ins Desaster rutscht. Ein Desaster, das auch sie selbst treffen könnte: bei der Bundestagswahl 2009.

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