Andrew Mitchell: : „Sie f***** Plebejer“

Der Minister will in die Downing Street, der Polizist lässt ihn nicht durch: Ein Porträt des alltäglichen Klassenkampfes.

von
Foto: dpa
Foto: dpaFoto: dpa

Seit gestern das Polizistenprotokoll veröffentlicht wurde, ist die Sache mit der Polizistenbeschimpfung des britischen Kabinettsstars Andrew Mitchell eigentlich geklärt: Was ein Polizist protokolliert, stimmt. Unklar ist nur, ob das F-Wort in „fucking plebs“ von den Zeitungen diskret durch Sternchen ersetzt wurde, oder ob der Polizist seine Erniedrigung am Eisentor der Downing Street selbst zensierte.

„Zeit, dass sie ihre f**** Stellung kennenlernen, sie leiten nicht diese f*** Regierung, sie f***** Plebejer“, beschimpfte Mitchell laut Protokoll den Wachtmeister, außer sich vor Wut, weil der ihm und seinem Fahrrad nicht das große Tor öffnen wollte. „Sehr gerne öffne ich den Fußgängern den Eingang, Sir, aber es ist die Regel, dass wir Fahrräder nicht durch das Fahrzeugtor lassen“, so der Beamte laut eigenem Protokoll. Es war „das Ende eines extrem frustrierenden und anstrengenden Arbeitstages“, rechtfertigte sich der Minister in einer vagen Entschuldigung.

Der neue „Chief Whip“, der mit knallender Peitsche die konservativen Hinterbänkler im Parlament zur Räson bringen soll, war zuvor Entwicklungsminister, Investmentbanker, Armeeoffizier und Schüler des Edelinternats Rugby, wo das raue Spiel erfunden wurde. Wie die „Daily Mail“ nun herausgefunden hat, kam er vom Curry Lunch im „Cinnamon Club“ und war auf dem Weg zum Dinner im Conservative Club. Die Szene am Tor hätte aus der beliebten Fernsehserie „Downton Abbey“ stammen können, denn nichts beherrschen die Briten besser als das Mit- und Gegeneinander von oben und unten im ewigen Klassenkampf. Nur dass diese Farce in diesem Fall hoch politisch ist: Lancierte die Polizeigewerkschaft die Geschichte an die Presse, um sich für Personal- und Gehaltskürzungen zu rächen? Jedenfalls sind die Versuche von Premier David Cameron, das Image der Tories als arrogante Partei der privilegierten Oberklasse abzuschütteln, gescheitert. Und den Disziplinmeister mit dem kurzen Geduldsfaden zu entlassen, konnte er auch nicht: Das hätte das kunstvolle Balancespiel seiner jüngsten Kabinettsumbildung zerstört.

Mitchells Glück: Das Parlament pausiert und kann sich nicht mit ihm befassen. Sein Pech: Die Parteitage stehen bevor und der Hohn schallt nun von den Parteitribünen. „Hoffentlich bleibt er im Amt. Dann wissen wir immer, was für hochnäsige, snobistische, herablassende Tory-Pinsel das sind“, schrieb der Labour-treue „Daily Mirror“. Matthias Thibaut

1 Kommentar

Neuester Kommentar