Aneesh Chopra, US-Technikbeauftragter : "Wir machen Informationen zugänglich"

Mit dem Vorsprung durch Technik will US-Präsident Obama nach eigener Aussage neue Arbeitsplätze schaffen und die Sicherheit der USA verbessern. Ein Porträt des neuen Technikbeauftragten Aneesh Chopra.

Fabian Leber

Dass Barack Obama auf Blackberry und iPhone nicht verzichten kann, wusste man spätestens, seitdem er aus dem Internet eine Wahlkampfmaschine gemacht hatte. Seinen Netzanhängern versprach Obama, erstmals in der amerikanischen Geschichte einen Regierungsbeauftragten für Technik zu ernennen. Die Internetgemeinde reagierte entzückt. Für den Posten waren prominente IT-Experten wie Microsoft-Gründer Bill Gates, Google-Chef Eric Schmidt und Amazon-Chef Jeff Bezos im Gespräch.

Nach dem Wahlsieg allerdings wurde klar, dass Obama seinen Technikratgeber keineswegs ins Kabinett berufen wollte, so wie es zuerst kolportiert worden war. Dementsprechend ließ das Interesse der Kandidaten aus dem Silicon Valley schnell nach. Die Geschwindigkeit der Obama-Administration blieb hinter der des Internets zurück, und so dauerte es drei Monate, bis der US-Präsident einen Cheftechniker präsentierte: Es ist Aneesh Chopra, ein indischstämmiger Harvard-Absolvent, der bisher Minister für Technologie im Bundesstaat Virginia war.

Chopra solle technologische Innovationen voranbringen und so dabei helfen, einige der wichtigsten Ziele der US-Regierung zu erreichen, sagte Obama in seiner wöchentlichen Ansprache, die traditionsgemäß zunächst per Rundfunk verbreitet wurde. Mit dem Vorsprung durch Technik will Obama nach eigener Aussage neue Arbeitsplätze schaffen und die Sicherheit der USA verbessern. Dass Chopra früher für Unternehmen im Gesundheitssektor arbeitete, wird ihm sehr gelegen kommen. Mitten in der Finanzkrise möchte Obama das amerikanische Gesundheitssystem reformieren – und weil dafür kein Geld da ist, soll digitale Technik dabei helfen.

Wie das funktionieren soll, hat der neue Technikberater in Virginia gezeigt: Dort entwickelte er eine Internetplattform, die medizinisches Fachwissen auch in Regionen abrufbar macht, in denen es kaum noch Ärzte gibt. „Wir machen Informationen zugänglich“, sagte Chopra damals. In Washington traut man ihm eine Rolle zu, die über die eines reinen IT- Experten hinausgeht. Ähnlich wie Obama unterlegt der 36-Jährige seine Ideen vom Internet stets mit einem gesellschaftspolitischen Ansatz. So verteidigt er die „Open Source“-Idee. Demnach sei es besser, wenn die Regierung die Ideen von freien Entwicklern fördere, statt Lösungen der Großindustrie zu kaufen. „Technologie kann uns dabei helfen, gemeinsam den Erfolg zu schaffen, sagt Chopra – und es klingt fast so, als bereite er schon Obamas nächsten Wahlkampf vor. Fabian Leber

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