Angela Merkel bei Anne Will : Acht kurze Fragen

Es brodelt in der Union. Viele Konservative vermissen ein klares Profil. Die große Koalition mit den Sozialdemokraten verlange einen zu hohen Tribut, heißt es. Vor Identitätsverlust wird gewarnt. Einmal mehr richten sich alle Augen auf Angela Merkel, die sich und ihren Kurs an diesem Sonntagabend bei „Anne Will“ erklären will. Welche Fragen sollte sie klipp und klar beantworten?

Malte Lehming

„Sehr geehrte Frau Bundeskanzlerin, liebe Angela Merkel!

Seit vielen Jahrzehnten bin ich Mitglied der CDU. Nicht immer war ich mit allem einverstanden, was in der Partei geschah. Aber sie gab mir ein Zuhause, einen Halt, eine Richtung. Das ist seit einiger Zeit anders. Ich verstehe, dass wir in einer großen Koalition sind und Kompromisse machen müssen. Aber vieles andere verstehe ich nicht – und das hat, ich muss es gestehen, mit Ihnen zu tun. Vielleicht können Sie mir helfen:

1. Warum zeigen Sie sich in der Öffentlichkeit lieber mit Alice Schwarzer als mit Roland Koch?
2. Warum beschließen Sie ein Elterngeld, das zwar die Geburtenrate nicht erhöht, aber die Männer erziehen soll?
3. Warum müssen erst die Opferfamilien des Amokläufers Sie um Konsequenzen bitten, zum Beispiel um eine Verschärfung des Verbots von Killerspielen?
4. Warum beschließen Sie mit deutschen Steuergeldern eine Abwrackprämie, von der viele ausländische Autofirmen profitieren?
5. Warum kritisieren Sie den Papst, wenn dieser einen Holocaustleugner rehabilitiert, nicht aber deutsche Unternehmen, die mit dem iranischen Regime des Holocaustleugners Mahmud Ahmadinedschad Geschäfte machen?
6. Warum lassen Sie die inhaltliche Entfremdung der CDU von der CSU zu?
7. Warum unterzeichnen Sie als Vorsitzende einer C-Partei zwar die Berliner Pro-Reli-Initiative, geben sich aber ansonsten kaum als Christin zu erkennen?
8. Warum weiß ich immer noch nicht, ob Sie stets Antikommunistin waren oder es heute sind?

Sehr geehrte Frau Bundeskanzlerin, dies und vieles mehr beschäftigt mich. Über eine Antwort, gerne auch via Talkshow, würde ich mich freuen. Hochachtungsvoll, Ihr Rudi Ratlos.“

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