Meinung : Angela Merkel hilft einem Bettler

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Am Bettler, so ließe sich sagen, kulminiert das Dilemma der Sozialpolitik. Gibt man ihm einen Euro, so stiftet man Freude, bestätigt aber die irrige Auffassung, dass dieser Weg richtig und bürgerlicher Lebensunterhalt überflüssig sei. Verweigert man die Spende, macht das Ärger, könnte aber die Eigenverantwortung des Bettlers stärken und ihn auf den Weg der Tugend zurückführen. Was denn nun? Ja, Frau Merkel? „Ich gebe nichts, weil ich für eine Politik eintrete, bei der die soziale Struktur so ist, dass diesen Menschen geholfen wird." Ah. Ja. Hat sie der „Frau im Spiegel“ gesagt. Was mag ein Bettler denken, der beim Versuch, der CDUChefin einen Euro abzuschwatzen, diesen Satz zu interpretieren bekommt? Gibt es diese Politik schon? wird er fragen, oder muss ich sie rasch selbst machen? Oder wenn es sie noch nicht gibt – kann ich bis dahin zur Überbrückung doch einen Eurohaben? Ja, es ließe sich sogar darüber nachdenken, ob Politik überhaupt eine soziale Struktur hat, und ob es nicht immer Bettler geben wird, die trotzdem den Euro der Struktur vorziehen – zumal, wenn sie von Politikern gemacht wird, die nicht „Ja“ oder „Nein“ oder „Keine Lust“ sagen, sondern fremdartige Sätze formulieren, deren logische Strukturso ist, dass ... Frau Merkel: Geben Sie dem Mann einen Euro. Der hilft ihm bestimmt.

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