Meinung : Angst vor dem Gegenpapst

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Ein Papst, der nicht mehr sprechen kann. Ein Papst, der nur noch mit Maschinen atmet. Ein Papst, der monatelang im Koma liegt – alles möglich im Zeitalter der modernen Medizin. Johannes Paul II. hat nun offenbar einen Vertrauten gebeten, die verschiedenen Optionen durchzuspielen. Demnach kommt ein Rücktritt und ein Rückzug – etwa in ein polnisches Kloster – für den 84Jährigen nicht in Frage. Man muss ja nicht direkt an eine Kirchenspaltung denken, wie es der römische Gutachter tut. Aber ein neuer Papst könnte sich beträchtlich behindert fühlen, wenn unzufriedene Gläubige in hellen Scharen zu dem alten Kirchenoberhaupt pilgern. Schließlich ist der innere Reformdruck in der Kirche enorm gewachsen, was der traditionell gesinnten Anhängerschaft von Johannes Paul II. nicht schmeckt. Anders liegt der Fall, wenn der kranke Papst eines Tages auf Dauer sein Bewusstsein verliert. Dafür hat Johannes Paul II. offenbar seine Abdankung festgelegt – und zwar aus gutem Grund. Eine Großinstitution mit über einer Milliarde Mitglieder sollte nicht über längere Zeit ohne Führung sein. Auch darf sich nicht – wie bei dem jüngsten Papstbuch – der Eindruck verfestigen, dass in der Schlussphase des Pontifikates nun jeder im klerikalen Hofstaat munter sein eigenes ideologisches Süppchen kocht. M.G.

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