Meinung : Angst vor dem Sieg

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Im Prinzip sind sich alle einig: Der Bundeskanzler will aufs Altenteil, Angela Merkel die Macht, das Volk den Wechsel. Also scheint die Bundestagswahl bereits gelaufen zu sein. Doch was passiert, wenn der Wähler nicht mitspielt? Die jüngsten Umfragen der ARDTagesthemen sind eine kleine Sensation. Zum ersten Mal seit März haben Union und FDP keine Mehrheit. Schwarz-Gelb kommt auf 48 Prozent, Rot-Rot-Grün ebenfalls. Ein Patt also. Nun heißt das noch nichts. Die Überhangmandate nutzen der CDU, außerdem werden die Christdemokraten, falls es wirklich knapp für den liberalen Juniorpartner wird, sicher wieder eine Rettet-die-FDP-Aktion starten. Nur wenn ein Wunder geschieht, bleibt Merkel in der Opposition. Das sagen selbst Sozialdemokraten. Gerhard Schröder ist amtsmüde, heißt es, und wird niemals mit Oskar Lafontaine koalieren. Bevor er mit Hilfe der Ultralinken Kanzler bleibt, lässt er lieber Merkel den Vortritt. Das Problem an dieser These: Wer die Mehrheit hat – und sei sie noch so knapp –, verzichtet nicht auf die Macht. Das wäre das Gegenteil von Politik. Alle Grünen wären sauer und alle Linken im Land. Aus ihren Kreisen würde es laut „Verrat“ schallen. Andererseits: Sollte Schröder selbst oder sein SPD-Nachfolger die große Linkskoalition schmieden, der Stillstand im Land wäre besiegelt. Wahrscheinlich gibt es nur eins, wovor sich Schröder, der Sieggewohnte, fürchtet: dass seine Partei am 18. September, zusammen mit den Grünen und Ultralinken, die Wahl gewinnt.mal

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