Meinung : Angst vor der Demokratie

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Sollte wieder alles umsonst gewesen sein? Die Entwaffnung der IRA? Die Verschrottung von Beobachtungsposten der britischen Armee in Nordirland? Vor einer guten Woche hatte es noch so ausgesehen, als könnte Nordirland nach 30 Jahren Bürgerkrieg und Terror nun tatsächlich einen Ausweg finden. Die pro-britischen Unionisten, die die Regionalversammlung in Belfast beherrschen, hatten den Eindruck erweckt, dass für sie die mangelnde Entwaffnungsbereitschaft der IRA das Haupthindernis zum Frieden ist. Möglicherweise hatten viele von ihnen insgeheim gehofft, die IRA möge die Waffen nie beseite legen. So wäre die nordirische Selbstblockade auf ewig fortgeschrieben worden, die pro-britischen Protestanten hätten stets einen Grund gehabt, den demokratischen Prozess in Belfast platzen zu lassen. Dass die Unionisten nun ihrem eigenen Mann, dem Friedensnobelpreisträger David Trimble, in den Rücken fallen, zeigt vor allem eins: Sie haben Angst vor der Möglichkeit, dass die Teilung der Macht zwischen Katholiken und Protestanten in Nordirland zum Dauerzustand werden könnte. Doch dabei muss es nicht bleiben. Der 11. September hat bei vielen einen Lernprozess ausgelöst. Erst bei der IRA, die nun die Waffen aus der Hand legt. Als nächste sind die Unionisten an der Reihe.

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