Meinung : Angst vor der Leere

DIHK STOPPT AUSBILDUNGSINITIATIVE

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Wer allzu trickreich denkt, fällt manchmal schneller auf die Nase, als er sich vorstellen kann. Die Mitglieder des DIHK, die deutschen Industrie und Handelskammern, haben jetzt ihre Dachorganisation in Berlin um eines kurzfristigen Vorteils willen brüskiert – und laufen damit ein hohes politisches Risiko. Um was es geht? Um Lehrstellen. Davon gibt es viel zu wenig. Viele Firmen bilden nicht mehr aus, aus Kostengründen, aus Bequemlichkeit. Auf dem SPD-Sonderparteitag in diesem Monat hatte sich der linke Parteiflügel mit der Forderung durchgesetzt, im Herbst eine Ausbildungsplatzabgabe einzuführen, wenn bis dahin die Schere zwischen Bedarf und Angebot an Lehrstellen nicht geschlossen werden könne. Diese Gefahr wollte der DIHK mit einer Initiative zur Sicherung von Lehrlingsstellen unterlaufen. Das hätte natürlich Geld gekostet, wäre aber allemal besser als staatlicher Druck gewesen. Die Kammern draußen im Lande haben anders gerechnet. Sie setzen auf den mächtigen Wirtschaftsminister. Wolfgang Clement ist gegen eine Zwangsabgabe der nicht ausbildenden Betriebe. Aber ob Clement diese Position durchhält, ist zweifelhaft. Wenn sich bis zum Herbst an der kurzsichtigen Ausbildungsblockade nichts ändert, wird sich der linke SPD-Flügel wieder melden und eine Umsetzung des Parteitagsbeschlusses fordern. Dann sehen die, die sich auf dem hohen Ross wähnen, plötzlich ziemlich alt aus. Einmal ganz abgesehen davon, dass es in drei bis vier Jahren einen – heute schon absehbaren – eklatanten Mangel an Fachkräften geben wird. apz

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