ANJA HAJDUK HAMBURGER GRÜNEN-CHEFIN : : „Es gibt kein Fundament für Schwarz-Grün“

Anja Hajduk, die Vorsitzende der Grün-Alternativen Liste (GAL) in Hamburg, lehnt eine schwarz-grüne Koalition ab. Ein Porträt.

Hans Monath

Für zwei Eigenschaften wird Anja Hajduk innerhalb der Bundespartei der und Bundestagsfraktion der Grünen geschätzt – und von manchem innerparteilichen Gegner wohl auch gefüchtet: Die Vorsitzende der Grün-Alternativen Liste (GAL) in Hamburg kann in zugespitzten Streitfragen raffiniert und rhetorisch sehr schlagkräftig agieren und ist zugleich eine profilierte Realpolitikerin. Die gelernte Psychologin ist im Ruhrpott aufgewachsen, „wo man eine deutliche Sprache spricht und kein Blatt vor den Mund nimmt“, wie sie selbst sagt.

Auf Grünen-Parteitagen hat die haushaltspolitische Sprecherin der Bundestagsfraktion auch ihrem altlinken Parteifreund Hans-Christian Ströbele schon erstaunliche Niederlagen beigebracht, obwohl die Stimmung im Saal vor ihrem Auftritt noch auf Seiten des Kreuzberger Abgeordneten schien. Im Streit um den Afghanistaneinsatz der Bundeswehr empörte sie etliche Parteilinke, als sie dem Parteirebellen Robert Zion stalinistische Methoden vorwarf, weil der zur Abrechnung mit dem „System Fischer“ aufgerufen hatte.

Normalerweise ist es der linke Flügel der Grünen, der vor der Aussicht auf ein schwarz-grünes Bündnis Bauchschmerzen bekommt. Doch ausgerechnet die Realpolitikerin Hajduk hat nun das Werben des Hamburger Bürgermeisters Ole von Beust um die GAL vor der Bürgerschaftswahl am 24. Februar zurückgewiesen. Beust will „das schwarz-grüne Experiment“ wagen, falls die CDU die absolute Mehrheit verfehlt.

Ihre Absage formulierte Hajduk gewohnt deutlich: Sie sehe „kein praktisch-politisches Fundament für Schwarz-Grün“. Tatsächlich setzen die Grünen angesichts neuer Umfragen darauf, eine rot-grüne Mehrheit zu erringen. Zudem unterstellen sie Beust, er wolle potenzielle Grünen-Wähler vom Kreuz bei der Öko-Partei abhalten, die ihre Partei nicht im Bett mit der Union sehen wollen.

Anja Hajduk wäre keine Realpolitikerin, wenn sie sich nicht eine Hintertür offen hielte. Sofern die GAL ihr Wahlziel verfehle, zusammen mit der SPD zu regieren, würde sie sich „natürlich“ auch einem Gespräch mit der CDU nicht verweigern, gab die 44-Jährige zu Protokoll. Diese taktische Aufstellung ist auch ganz im Sinne der Bundes-Grünen, die seit Jahren ihre politischen Optionen vermehren wollen. Weder Parteichefin Claudia Roth noch ihr Kollege Reinhard Bütikofer schlossen denn auch ein Bündnis mit von Beust definitiv aus. Hans Monath

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