Anschläge auf Autos : Links muss Links stoppen

Jetzt auch noch Potsdam. An zwölf Autos wurde dort am Wochenende gezündelt, es war die erste derartige Anschlagsserie in der Stadt. Der Wahnsinn, so wirkt es, greift nun von Berlin auf Brandenburg über.

Frank Jansen

Jetzt auch noch Potsdam. An zwölf Autos wurde dort am Wochenende gezündelt, es war die erste derartige Anschlagsserie in der Stadt. Der Wahnsinn, so wirkt es, greift nun von Berlin auf Brandenburg über. Pünktlich zur Einigung von SPD und Linkspartei auf eine gemeinsame Regierung scheint die Guerilla mit dem Grillanzünder, ob nun linksradikal oder sonst wie motiviert, ein Zeichen setzen zu wollen. Als sollte der rot-roten Koalition, wie in Berlin, zugerufen werden: Ihr könnt euch noch so sozial geben, der militante Widerstand gegen „die Reichen“ und was einen noch an der Bundesrepublik stört, hört niemals auf.

Seit 2007 geht das so in Berlin. Täter werden kaum gefasst, am heutigen Dienstag beginnt erst der zweite Prozess gegen einen Tatverdächtigen. In Brandenburg gab es zwar auch früher schon Anschläge von Linksextremisten, vergangenen Freitag wurden drei mutmaßliche Mitglieder der „Militanten Gruppe“ unter anderem wegen eines Angriffs auf Lastwagen der Bundeswehr in der Stadt Brandenburg verurteilt. Doch brennende Personenwagen in Potsdam sind eine Neuerscheinung. So kriminell wie irre. Und nun?

Die neue Landesregierung muss zeigen, ob ihr mehr einfällt als dem Berliner Senat. Jedenfalls sollten in beiden Ländern die rot-roten Koalitionäre rasch zur Einsicht gelangen, dass eine politische Strategie gegen den brandgefährlichen Vandalismus dringend nötig ist. Es reicht nicht, wie in Berlin, darauf zu hoffen, Polizei und Justiz bekämen das Problem irgendwie in den Griff oder irgendwann werde die Militanz von selbst erlöschen, wie andere pubertäre Aufwallungen auch. Es wird eher noch schlimmer.

Ein Szenetrupp hat in der vergangenen Woche in Berlin eine Polizeiwache mit Steinen eingehagelt. Das erinnert fast an die Krawalle in Athen vom Dezember 2008. Selbst wenn es so weit nicht kommt: Jedes brennende Auto, jede Randale erschreckt die Mehrheit der Bevölkerung. Und schürt Wut. Auf die Täter – und die Politiker, die das Problem nicht in den Griff bekommen. Dabei verfügen gerade Rot-Rot und die demokratische Linke insgesamt über Möglichkeiten, die endlich zu nutzen sind.

In den Reihen der Linkspartei gibt es Abgeordnete und Bezirksverordnete, die Verbindungen zu radikalen Milieus pflegen. Auch die Jusos tun sich ab und zu mit härteren Gruppen zusammen, vor allem im Protest gegen Neonazis. Bei Grünen, Gewerkschaften und linken Juristen gibt es ebenfalls Leute, die mit radikalen Linken kommunizieren. Das alles kann man problematisch finden, zumal einige aus dem demokratischen Spektrum sich so radikal geben wie Autonome. Aber die Konstellation bedeutet eine Chance.

Linkspartei, SPD, Grüne und andere demokratische Linke sollten versuchen, über ihre Kontakte dem Milieu der Rebellen begreiflich zu machen: Ein brennendes Auto ist kein Punktsieg über „Yuppiesierung“ oder „Gentrifizierung“ von Kleine-Leute-Kiezen, sondern ein rüdes Argument für Law-and-Order-Apostel, bis hin zur NPD. Nur mal zum Nachdenken: Sollte ein Stimmungsmacher wie einst Ronald Schill eine Protestpartei für mehr Sicherheit und Ordnung aufziehen, würde ihm jeder „linke“ Anschlag Mitglieder und Wähler zutreiben. Können demokratische Linke wollen, dass ihnen randalierende Linke so etwas antun?

Links muss Links stoppen. Die demokratische Linke sollte mit ihrem intellektuellen Potenzial und den biografischen Erfahrungen mit Sturm-und-Drang-Perioden versuchen, die Szene von kriminellen Dummheiten abzubringen. Das ist ein mühsamer Prozess, und es ist auch keineswegs sicher, dass er gelingt. Die Kreuzberger Krawalle am 1. Mai waren ein Rückschlag für die Bemühungen auch von Linken, das Randaleritual herunterzudimmen – aber zuvor war der Feiertag jahrelang halbwegs ruhig geblieben.

Nichts zu tun, lau zu verurteilen oder verdruckst zu schweigen und den Verdacht zu nähren, es gäbe gar klammheimliche Sympathie mit denen, die den Autos der Reichen einheizen und oft genug auch die der Ärmeren in Brand setzen, schadet der Glaubwürdigkeit demokratischer Linker. Zeigt den Militanten, wo Grillanzünder hingehören: zu den Würstchen. Reifen brauchen nur Luft.

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