Anschläge gegen die Bahn : Schritt für Schritt in den Terrorismus

11.10.2011 15:31 UhrVon Gerd Nowakowski
Nachdem es am Montagmorgen auf der Bahnstrecke Hamburg-Berlin zwischen Brieselang und Finkenkrug einen Brandanschlag auf Signaleinrichtungen der Bahn gab, wurde gegen Mittag ein weiterer Brandanschlag am Berliner Hauptbahnhof vereitelt. Foto: dapd
Nachdem es am Montagmorgen auf der Bahnstrecke Hamburg-Berlin zwischen Brieselang und Finkenkrug einen Brandanschlag auf Signaleinrichtungen der Bahn gab, wurde gegen Mittag ein... - Foto: dapd

Linksextremisten haben sich zu den Anschlägen gegen die Bahn bekannt. Gefährdung von Menschen hätten sie "weitgehend ausgeschlossen". Gerd Nowakowski sagt: Eine grenzenlose Selbstüberschätzung.

"Entschleunigung der Hauptstadt", so kann man das auch nennen. All jene Menschen, die Montag vergeblich mit der Bahn nach Hamburg fahren wollten, werden es wohl Terror nennen. Die Hauptstadt ist knapp vorbeigeschrammt an einem kompletten Verkehrskollaps, weil nur der Brandsatz im Kabelschacht an der Strecke nach Hamburg zündete, nicht aber der Sprengsatz nahe des Hauptbahnhofs. „Wir haben diese Metropole in einem bescheidenen Umfang in den Pausenmodus umgeschaltet“, heißt es dazu zynisch im Bekennerschreiben, einem bemerkenswerten Dokument, bei dem eine aufgeblasene Politlyrik dem eigenen Tun Relevanz geben soll.

Diesmal sind es zehn Jahre Krieg in Afghanistan, mit dem die Anschläge gerechtfertigt werden. Zugleich wird gegen Kinderarmut in Berlin, Hartz-IV-Kürzungen und Vergewaltigungen protestiert. Wie es euch gefällt.

Wie verwundbar eine hochtechnisierte Gesellschaft ist, wie schnell der komplexe Alltag gestört werden kann, zeigen die Anschläge nicht zum ersten Mal. Einen kompletten Schutz kann es in keiner Gesellschaft geben, die sich als freiheitliche Demokratie und nicht als Polizeistaat versteht. Prävention ist dennoch nötig. Es hat sich gezeigt, dass die Bahn bisher nur ansatzweise dafür eingerichtet ist, ihre Anlagen effektiver zu sichern und etwa mit parallel ausgelegten Systemen zu verhindern, dass Knotenpunkte der Signaltechnik lahmgelegt werden.

Weitere Anschläge gegen die Infrastruktur sind erwartbar in Berlin, wo sich die gewaltbereite linke Szene immer weiter radikalisiert. Diskutiert wird längst nicht mehr, ob Gewalt gerechtfertigt ist, sondern nur noch, ob und wie man mit der Gefährdung von Menschen umgeht. Die habe man „bestmöglichst ausgeschlossen“, heißt es in grenzenloser Selbstüberschätzung. So umfangreich das Bekennerschreiben, so abgeschnitten sind ihre Urheber vom linken Diskurs. Weder Linkspartei, noch weniger die Grünen, erreichen diese Aktivisten.

Nach den Auto-Brandstiftungen, die auch innerhalb der Linksautonomen auf Ablehnung stießen, weil die Zündler eben nicht nur Luxuskarossen, sondern auch den Opel des hart arbeitenden Berliners treffen, rutscht man Schritt für Schritt in den Terrorismus. Damit alles besser wird in Deutschland. So wie damals, bei der RAF.

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