Meinung : Anschlag auf "La Belle": Gaddafis "Geständnis"

cvm

Die mutmaßliche Beteiligung des Wolfgang Grams an der Ermordung des Treuhand-Managers Rohwedder hat das brisante Terror-Thema des Vortags in den Schatten gedrängt, aber die Fragen nach Libyens Verstrickung in den "La Belle"-Anschlag nicht verstummen lassen. Zu Recht. Der eigentliche Skandal sind nicht die Spekulationen, inwieweit Gaddafi eine Mitschuld eingeräumt haben könnte. Sondern erstens: Hat die Bundesregierung der Justiz Informationen vorenthalten, die entscheidend für den "La Belle"-Prozess sind? Und zweitens: Wie konnte der hochsensible Inhalt eines verschlüsselten Telex des deutschen Botschafters in Washington an die Öffentlichkeit dringen? Erste Theorie: Rivalitäten zwischen dem Auswärtigen Amt und dem außenpolitischen Berater des Kanzlers, wie es sie immer gegeben hat. Eine vom Außenminister abgesegnete Indiskretion ist in Kenntnis der Person Joschka Fischer, seiner politischen Klugheit und seiner Haltung zur Richtlinienkompetenz des Kanzlers unwahrscheinlich. Zweite Theorie: Die USA wollten so die Annäherung Libyens an Europa hintertreiben. Auch nicht plausibel. Dann müsste Washington einen Spion in der Bundesregierung haben - zitiert wurde nach allem Anschein aus dem Text, der in Berlin nach der Entschlüsselung entstand. Außerdem hätten die amerikanischen Zeitungen das Thema dann größer gespielt. Die Bundesregierung muss das Leck finden. Um ihrer innen- wie außenpolitischen Glaubwürdigkeit willen.

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