Anschlag in Jerusalem : In der Spirale der Gewalt

Auch Israel ist von der Unruhe im Nahen und Mittleren Osten erfasst. Das Land wurde wieder Ziel eines Anschlags und soll gleichzeitig liefern, was andere gerade auch nicht bieten: Staatskunst.

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23. März 2011: Jerusalem wird von einer Explosion erschüttert. Foto: dpaAlle Bilder anzeigen
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23.03.2011 16:4723. März 2011: Jerusalem wird von einer Explosion erschüttert.

Es war, so bitter es klingt, nur eine Frage der Zeit. Ein Israel, das von der Unruhe im Nahen und Mittleren Osten nicht auch erfasst, nicht wieder ein Ziel von Anschlägen wird – das ist schlicht nicht vorstellbar. Zum einen, weil immer noch gilt, was viele, vor allem in Deutschland, nicht wahrhaben wollen: dass fast alle Staaten dieser Region den Juden nach dem Leben trachten, sie „ins Meer zurückwerfen“ und den Staat auslöschen wollen. Zwar behaupten einige, das seien doch nur Worte; bloß wurden diese Worte dann nie zurückgenommen. Aggression gegen das kleine Israel ist ein einigendes Band.

Zum anderen ist Kampf auch bei Israels Nachbarn, den Palästinensern, zwischen Hamas und Fatah; und dem können beide Seiten besser ausweichen, wenn stattdessen der Konflikt mit Israel gesucht wird. Es nicht allein der Anschlag in Jerusalem, der das anzeigt. Sondern es sind die Raketen und Granaten, die wieder im Land eingeschlagen sind. Darüber hinaus ist es die von der Marine gestoppte vermeintliche Wattelieferung, buchstäblich, in den Gaza-Streifen, die in Wirklichkeit eine Waffenlieferung war.

Damit kommt sie wieder in Gang, die Spirale der Gewalt. Israels Militär fliegt Angriffe, erwägt eine Operation „Gegossenes Blei 2“, die Politik überlegt, ob die Hamas endgültig gestürzt werden muss. Zivile Opfer sind die Folge, und neue Drehungen in der Redespirale. Denn die Probleme sind ja auch unverändert. Alle Welt erwartet den Palästinenserstaat, der nicht kommt. Premier Benjamin Netanjahu will verhandeln, sagt er, aber seine Ziele nicht vorher nennen. Sein Vorgänger, Ehud Olmert, hat sie vor seinem unrühmlichen Abgang benannt: ein Staat, der nach Landtausch auf den Grenzen von 1967 basieren soll; der auch die weitgehende Räumung von jüdischen Siedlungen bedeuten würde. Netanjahu lässt dagegen Siedlungen bauen.

So liegt ein weiterer Schauplatz dieser Region mit alter, neuer, immer höchster Brisanz vor uns. Israel als einzige Demokratie dort muss überleben – und zugleich deren Regeln vorleben. Das verlangt Staatskunst im großen Format. Die es gerade jetzt nicht zu bieten hat. Aber seien wir nicht ungerecht: Europäer und Amerikaner unglücklicherweise auch nicht.

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