Anschlagsserie auf Christen : Der Irak taumelt seinem nächsten Bürgerkrieg entgegen

Im Irak zeichnet sich der Exodus der christlichen Minderheit ab. Somit hat George W. Bushs Feldzug letztlich einen Generationenschaden angerichtet, der noch viele Nachfolger im Weißen Haus beschäftigen wird.

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Seit acht Monaten ohne handlungsfähige Regierung, seit Tagen konfrontiert mit einer beispiellosen Anschlagsserie auf die christliche Minderheit – der Irak taumelt seinem nächsten Bürgerkrieg entgegen. In doppelter Weise scheint sich inzwischen für das geplagte Zweistromland die Geschichte zu wiederholen. Den blutigen Massakern nach der ersten Parlamentswahl 2005 könnten bald weitere Jahre ungehemmten Mordens nach dem zweiten Votum 2010 folgen.

Und nach der Vertreibung der jüdischen Minderheit vor drei Generationen zeichnet sich nun auch der Exodus der christlichen Minderheit ab, die hier ebenfalls seit dem Altertum verwurzelt ist. Zurückbleiben wird ein Land, in dem islamische Fanatiker immer mehr den Ton angeben; ein Land, was kulturell und religiös verarmt; ein Land, in dem am Ende nichts mehr vorhanden ist von seiner einstigen, in Jahrhunderten gewachsenen inneren Vielfalt. Denn heute ist niemand mehr seines Lebens sicher. Alle Andersgläubigen sind schutzlos den Drohungen und Mordtaten der islamischen Al-Qaida-Terroristen ausgeliefert.

Und so werden sich bald auch die letzten Hunderttausend entscheiden, aus ihrer geliebten Heimat zu fliehen, weil sie keine andere Wahl mehr sehen. Für die Vereinigten Staaten und ihre westlichen Verbündeten aber kehrt das Kapitel Irak damit auf die politische Agenda zurück, auch wenn der einstige Oberbefehlshaber George W. Bush dieser Tage in Memoiren seine rosa gefärbte Bilanz zieht. Sein Feldzug hat einen Generationenschaden angerichtet. Und der wird noch viele Nachfolger im Weißen Haus beschäftigen.

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