Meinung : Anschwellende Proteste

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Die Stimmung ist gekippt: Amerikas Bürger sind den Irakkrieg und die wachsenden Gefallenenzahlen leid. Die Mehrheit möchte, dass die Truppen nach Hause kommen. Zwar nicht als Geschlagene oder Flüchtende – insoweit kann sich Präsident Bush mit seinen Formeln „Kurs halten“ und „den Job zu Ende bringen“ noch durchsetzen –, aber doch eher früher als später. Ein ausgewiesener Militärfreund und außenpolitischer Falke wie der demokratische Abgeordnete John Murta, ein dekorierter Vietnamveteran, fordert gar den sofortigen Abzug. Solche Politiker kann das Weiße Haus nicht als „feige“ oder „unpatriotisch“ hinstellen. Der Präsident verweigert Festlegungen für den Rückzug mit dem richtigen Argument, das Tempo hänge davon ab, wie rasch irakische Truppen die Aufgaben übernehmen können. In dieser Lage ist die überraschende Einigung der sonst eher zerstrittenen Schiiten, Sunniten und Kurden, einen Zeitplan zu verlangen, zweischneidig für Bush. Willkommen, weil die Iraker sich damit selbst unter Druck setzen, unabhängig von Amerikas Militärmacht zu werden. Aber störend, weil sie fordern, was Bush bisher verweigert. Auch für Deutschland und Europa ist diese Debatte schwierig. Die Anwesenheit der US-Truppen ist mindestens so sehr Teil des Problems wie der Lösung. Und doch muss man wünschen, dass sie noch bleiben. Machten sich die Amerikaner zu früh davon – ehe der Irak sich selbst helfen kann –, wären die Folgen fürchterlich. cvm

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