Anthony Weiner : „Ich habe Fehler gemacht“

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Gerüchte hatte es seit einiger Zeit gegeben, offiziell wurde es, als Anthony Weiner nach zwei Jahren Sendepause erstmals wieder ein Update auf Facebook stellte: „Freunde“, schrieb der 48-jährige frühere Kongressabgeordnete, „ich starte heute meinen Wahlkampf für das Amt des Bürgermeisters von New York City.“ Dazu ein Video, zwei Minuten lang: Weiner mit Frau und Kind, Weiner auf den Straßen von Brooklyn, Bilder seiner Eltern, seiner Schule, seines Baseballteams (Mets), dann der Verweis auf sein 64-Punkte-Programm für die Acht-Millionen-Metropole. Zum Schluss wieder Weiner mit seiner Frau, Huma Abedin.

Dass familiäre Eintracht den Rahmen des Videos bildet, ist kein Zufall: Vor zwei Jahren war der aufstrebende Abgeordnete und Star seiner Partei über einen Skandal gestürzt, der seine junge Ehe fast zerstört hätte: Weiner hatte einer jungen Frau über Twitter ein anzügliches Foto geschickt. Es zeigte ausgerechnet sein von einer grauen Unterhose nur bedingt verdecktes Geschlechtsteil. Selbiges wird auf Englisch, in Anspielung auf die Wurst, gerne „Wiener“ genannt. „Weiner zeigt seinen Wiener“ war ein gefundenes Fressen für die Late- Night-Komiker und das vorläufige Ende seiner politischen Karriere.

„Ich habe Fehler gemacht“, sagt Weiner in seinem Wahlkampfspot. „Ich hoffe, dass ich eine zweite Chance bekomme.“ Die Botschaft: Seine Frau hat ihm vergeben – das soll nun auch der Wähler tun. Grund zur Hoffnung hat Weiner. Das weiß keiner so gut wie seine Frau Huma Abedin. Die 36-Jährige ist die engste Vertraute von Hillary Clinton, und deren Mann ging einst durch einen genauso peinlichen Sexskandal, und auch er stritt seine Fehler ab, bis es nicht mehr ging. Davon ist nicht viel hängen geblieben: Clinton gehört heute zu den angesehensten Staatsmännern der Welt. Auch Weiner will, dass man ihn für seine Politik beurteilt. Da hat er einiges vorzuweisen, vor allem seinen Einsatz für den Mittelstand und die Gesundheitsreform. Unvergessen ist seine Wutrede gegen die republikanische Opposition vom Sommer 2010, als diese gerade gegen eine Initiative gestimmt hatte, die den Helfern von 9/11 finanzielle Hilfe im Krankheitsfall geben sollte. Wie die New Yorker Anthony Weiner letztlich beurteilen – als politischen Kämpfer oder unkontrollierten „Sexter“ – wird sich im November zeigen, wenn über die Nachfolge des seit zwölf Jahren amtierenden Mike Bloomberg entschieden wird. Lars Halter

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