Meinung : Anti-Terror-Koalition: Die Allianz im Innern

Robert Von Rimscha

Wo steht Deutschland? Jetzt, wo der erwartete und von vielen doch so heftig verdrängte Schlag gegen Osama bin Laden und seine afghanischen Beschützer tatsächlich begonnen hat. Jetzt, wo George W. Bush aller Welt verkündet hat, dass die Bundesrepublik für die kommende, zweite Welle im Gegenschlag gegen den radikal-islamistischen Terrorismus deutsche Truppen versprochen hat.

Deutschland steht mitten drin: in der Nato, im Bündnis, in der informellen Allianz, die zu schmieden Gerhard Schröder und Joschka Fischer geholfen haben. In einer solchen Lage sind Ängste verständlich. Ja, es ist denkbar, dass irgendwelche Schläfer längst Instruktionen haben, auf die Bekundung der Welt, den Terror nicht hinnehmen zu wollen, mit neuem Terror zu reagieren. Es ist möglich, dass deutsche Ziele ins Visier geraten.

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Fotostrecke: Militärschlag gegen das Taliban-Regime Die Politik darf diese Furcht nicht negieren, sie muss sie einfangen. Dies geht nur durch Deutlichkeit, durch Entschossenheit, auch durch Kraft. Und dies sind die Qualitäten, die Gerhard Schröder derzeit auszeichnen. Der Kanzler und seine Sozialdemokraten stehen dabei nicht allein. Drei Parteien hat Schröder, die sich in der Verantwortung treffen, wenn auch nicht in der Regierung. Union, FDP und Grüne sind im Innern jene Allianz, die George W. Bush für die Welt zu schmieden versucht.

Mit weniger Pathos als Tony Blair hält Schröder seine informelle Groß-Koalition zusammen. Er tut es mit Ruhe und Entschlossenheit, und eben dies spendet Sicherheit in unsicheren Zeiten. Man kann sich an ihm aufrichten. Der größten Herausforderung seiner dreijährigen Kanzlerschaft wird Gerhard Schröder voll gerecht - ebenso wie Union, Grüne und FDP das Kunststück vollbringen, unbedingte Solidarität und nachdenkliche Analyse zu verbinden.

Die ersten linksradikalen Demonstranten, die den angeblichen amerikanischen Aggressor mit fast denselben Plakaten anfeinden, wie sie sonst die NPD verwendet, haben sich aus diesem nötigen und berechtigten Konsens verabschiedet. Auch sie stehen nicht allein. Eine Partei, die PDS, hat als Kitt ihrer internen Uneinigkeit den Antiamerikanismus wiederentdeckt.

Die Linkssozialisten verkaufen nach ihrem Parteitag in Dresden dreist als hehren Pazifismus, was in Wahrheit ein Minimalkonsens zur Vermeidung des Auseinanderfallens ist. Hoffentlich merken die Bürger und Wähler, dass geistige Drückebergerei nicht eine radikale, aber ehrenhafte, sondern schlicht keine Antwort auf jene nun wirklich neuen Herausforderungen ist, vor die der 11. September uns alle gestellt hat.

Was den Reagierungsalltag angeht, kann sich Schröder zurücklehnen. Sein Koalitionspartner hat, wie die PDS, eine Zerreißprobe vermieden. Dass Krieg - oder etwas Neues, das Krieg erschreckend ähnlich sieht - wieder als Mittel der Politik denkbar ist, hat die postpazifistischen Grünen auf ihrem kleinen Parteitag nicht gespalten. Der Länderrat billigte mit deutlicher Mehrheit den Kurs der Regierung. Wobei die Grünen sich ehrlich und ernsthaft mit der Frage militärischer Gewalt gegen Terroristen und Regime, die sich einem Grundkanon an Werten verweigern, auseinandergesetzt haben.

Am weitesten geht Joschka Fischer. Europa als föderaler Verfassungsstaat, der Balkan als Testfall für die Belastbarkeit der europäischen Ideale, die Welt als ein Raum, der für Terror keinen Platz hat: Der Außenminister hat vor seiner Partei eine Gesamtstrategie skizziert. Schröder eint, Fischer fordert: ein ehrgeiziges Deutschland, das mit seinen Partnern überall und uneingeschränkt Verantwortung trägt.

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