Antonis Samaras, Athener Oppositionsführer : "Ich trage das Nationaltrikot"

Antonis Samaras polarisiert. Ungeniert gaukelt der Populist seinen Landsleuten vor, er werde die Konditionen des Konsolidierungsprogramms neu aushandeln und verspricht niedrigere Steuern. Das scheint zu funktionieren.

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Seine Parteifreunde von der Europäischen Volkspartei in Brüssel haben gebettelt und gedroht, aber es hat nichts geholfen. Antonis Samaras, Vorsitzender der griechischen Nea Dimokratia (ND) und Athener Oppositionsführer, wird Nein sagen, wenn das griechische Parlament voraussichtlich am Mittwoch über das Sparprogramm abstimmt, das Griechenland die nächste Rate der Rettungskredite sichern soll. Samaras ist und bleibt Euroskeptiker. „Wenn ich ins Ausland reise, trage ich das Nationaltrikot“, sagt er stolz. Es ist in Athen ein offenes Geheimnis, dass in der ND-Parteizentrale bereits Überlegungen angestellt werden, Griechenland zur Drachme zurückzuführen, auch wenn Samaras das dementieren lässt.

Als Sohn einer wohlhabenden Medizinerfamilie besuchte Samaras teure Privatschulen und machte seinen Master in Harvard. Schon im Alter von 27 Jahren wurde er ins Athener Parlament gewählt, 1989 wurde er erst Wirtschafts-, dann Außenminister. 1992 sagte er sich wegen eines bizarren Namensstreits mit der Nachbarrepublik Mazedonien von der ND los und stürzte die damalige Regierung. Er gründete seine eigene Partei und fischte am rechten Rand nach Stimmen. Als der Erfolg ausblieb, kehrte er 2004 in die ND zurück und setzte sich 2009 als neuer Parteivorsitzender durch.

Samaras polarisiert. Ungeniert gaukelt der Populist seinen Landsleuten vor, er werde die Konditionen des Konsolidierungsprogramms neu aushandeln und verspricht niedrigere Steuern. Das scheint zu funktionieren: In jüngsten Umfragen führt die ND vor den Sozialisten, Samaras bekommt bessere Noten als der sozialistische Premier Papandreou. Viele Griechen haben offenbar ein kurzes Gedächtnis. War es nicht die ND, die das Land mit ihrer Schuldenpolitik 2009 an die Wand fuhr und das Vertrauen der EU mit frisierten Budgetzahlen verspielte? Samaras war damals Kulturminister.

Mit Papandreou teilte sich Samaras in den 70er Jahren eine Studentenbude in den USA. Seither duzen sie sich. Nun aber hat die Freundschaft einen Riss bekommen. Vor zwei Wochen hat Papandreou Samaras die Bildung einer großen Koalition vorgeschlagen. Dafür sei er bereit, auf das Amt des Premiers zu verzichten. Samaras steckte das „Rücktrittsangebot“ sogleich den Medien, die Koalitionsverhandlungen waren torpediert. Die Episode zeigt: Samaras will die Macht. Und er will sie für sich allein. Selbst um den Preis eines Staatsbankrotts.

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