Meinung : Arbeitsamt: Wann, wenn nicht jetzt

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"Arbeitsamt 2000" - ein Begriff für eine moderne Institution. So hatten sich das die Strategen der Bundesanstalt für Arbeit gedacht, als vor einigen Jahren die Modernisierung der 180 Arbeitsämter in Angriff genommen wurde. Die Ausstattung mit zeitgemäßen Räumlichkeiten und Informationstechnologien brauchte Jahre und kostete einige hundert Millionen. Doch der Weg von der Stempelbude zu einem Dienstleister ist weit; bis die 90 000 Mitarbeiter der Behörde die Arbeitslosen als Kunden und nicht als Bittsteller behandeln, wird noch so manche Statistik erstellt. Ob korrekt oder nicht. Das ist auch nicht das vorrangige Problem. Behördenchef Bernhard Jagoda hat gelegentlich gegrummelt, weil ihm der Umbau der Ämter, die Überwindung des Trägheitsmoments nicht schnell genug ging. Nun ist die Stunde der Tempoverschärfung gekommen. Die falschen Vermittlungsstatistiken geben den Blick frei auf den enormen Reformbedarf in der Bundesanstalt. Die im übrigen auch so ist, wie sie ist, weil Gewerkschaften, Arbeitgeber und Politik gleichberechtigt in den wichtigsten Gremien sitzen. Da blockiert der eine den anderen oder man verständigt sich auf den kleinsten Nenner. Mit dem Vermittlungsschock in den Knochen soll Jagoda nun eine zweite Chance bekommen. Ob er die verdient, muss er beweisen. Und zwar nicht über eine hübsche Vermittlungsstatistik, sondern über den anständigen und zielorientierten Umgang seiner Leute mit jedem Arbeitslosen.

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