Arbeitsmarkt : Keine Angst vor 2009

Von nun an geht’s bergab. Weniger als drei Millionen Arbeitslose wird die Agentur für Arbeit so bald nicht wieder melden können. Doch es gibt genügend Gründe zur Zuversicht. 2009 kann gut werden.

Alfons Frese

Von nun an geht’s bergab. Weniger als drei Millionen Arbeitslose wird die Agentur für Arbeit so bald nicht wieder melden können. Jetzt kommt der Winter. Und die Wirkung der Finanzkrise auf die Firmen und die Arbeitsplätze spüren wir erst so richtig in den nächsten Monaten. Und dann auch noch die IG Metall: Die größte Gewerkschaft nimmt von ihrer Forderung nach acht Prozent mehr Lohn für die wichtigste Industriebranche keinen Zehntelpunkt zurück. Zu allem Krisenhorror müssen sich die Unternehmen also auch noch auf eine deftige Kostenbelastung einstellen. Das verschärft die Rezession, den Stellenabbau, die miese Stimmung, die Abneigung zu investieren und zu konsumieren. Gute Nacht, Deutschland.

Dieses Szenario stammt von den trübsinnigsten Pessimisten. Denn die Ausgangslage vor dem schwierigen Jahr 2009 ist so schlecht nicht. Die Wirtschaft steht gut da, vor allem im Mittelstand fließt das Geld, von einer Kreditklemme infolge der Finanzkrise ist nichts zu merken. Die hierzulande produzierten Güter sind noch immer Weltklasse, gerade erst hat Angela Merkel darauf hingewiesen, dass Deutschland auch 2008 Exportweltmeister bleibt. Kein anderes Land hat so eine starke Industrie. Und in kaum einem anderen Land legen die Menschen so viel Geld zurück. Das ist positiv, auch wenn die schon chronische Konsumschwäche den Binnenmarkt seit Jahren belastet. Derzeit hilft wenigstens der niedrige Ölpreis. Die Milliarden, die jetzt nicht mehr den Scheichs überwiesen werden, landen im Idealfall beim Einzelhandel.

Oder beim Handwerk. Das wird jedenfalls von Energiesparmaßnahmen profitieren. In der kommenden Woche präsentiert die Regierung ihr Konjunkturprogramm, unter anderem mit Anreizen zur Gebäudesanierung. Die sind sinnvoll, weil zweckgebunden; Handwerker und Bürger profitieren, das Klima auch. Ob die Hilfen für die Autoindustrie durchschlagen, ist dagegen ungewiss. Ein paar hundert Euro verführen kaum zum Kauf eines Neuwagens für 25 000 Euro. Wichtiger für die Autobranche und ihre Kunden ist Klarheit über die künftigen CO2-Grenzwerte in der EU.

Autos kaufen keine Autos – mit dieser Erkenntnis von Henry Ford argumentiert die IG Metall in jeder Tarifrunde. Ist ja auch nicht falsch. Aber auch nicht ganz richtig. Rund drei Viertel der in Deutschland montierten Autos geht in den Export, da bringen fette Tarifabschlüsse gar nichts. Aber ein Viertel wird eben auch auf dem größten Automarkt Europas verkauft, hier, wo unter anderem 3,6 Millionen Metallarbeitnehmer arbeiten, einkaufen und Auto fahren.

Die herausragende Stellung der heimischen Exportfirmen erklärt sich aus der Technologieführerschaft und der Qualität. Doch auch die Lohnzurückhaltung in Deutschland hat die Wettbewerbsfähigkeit auf dem Weltmarkt in den vergangenen Jahren erheblich verbessert. Zu Recht ging die IG Metall deshalb in diesem Jahr mit einer hohen Forderung in die Tarifrunde – bis die Amerikaner die Investmentbank Lehman in die Pleite gehen ließen und damit Schockwellen auch nach Europa schickten.

IG-Metall-Chef Berthold Huber findet es „zum Kotzen“, dass seine Leute als Steuerzahler die Banken retten und als Arbeitnehmer nun Lohnverzicht üben sollen. Gut beraten sind die Arbeitgeber, wenn sie den empfindlichen Magen des Gewerkschafters nicht überstrapazieren, indem sie mithilfe der Krise die Taschen dicht machen. Gut vier Prozent sind drin, dazu eine anständige Einmalzahlung noch in diesem Jahr – das hilft der Konjunktur, das verkraften die Firmen, und das haben die Metaller verdient. Mit so einem Kompromiss, ohne langes Zaudern und Zoffen, beweisen die Tarifparteien einmal mehr ihre die Wirtschaft stabilisierende Kompetenz. Das gilt auch für die EZB, die kommende Woche wahrscheinlich die Zinsen senkt. Und hoffentlich auch für die Bundesregierung mit ihrem Konjunkturpaket. Und da in einem Jahr gewählt wird, ist nicht mit neuen Belastungen für Unternehmen und Bürger zu rechnen. Es gibt genügend Gründe zur Zuversicht. 2009 kann gut werden.

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