Arbeitsmarkt : Krankes Geschäftsmodell

Der Wirtschaftsminister freut sich über die Arbeitnehmerfreizügigkeit, weil sie den Firmen bei der Behebung des Fachkräftemangels helfen kann. Die Arbeitsministerin dagegen ist in Sorge und kündigt mehr Kontrollen auf dem Bau und in der Gastwirtschaft, in Pflegeeinrichtungen und bei Sicherheitsdiensten an, weil sie Lohndumping und Schwarzarbeit befürchtet. Sicher ist: Der gut ausgebildete Facharbeiter muss die Konkurrenz aus Osteuropa so wenig fürchten wie der Ingenieur. Aber überall dort, wo Leiharbeit eingesetzt und oft erbärmlich bezahlt wird, könnten die Löhne noch weiter abrutschen. Das finden viele Wirtschaftsvertreter gut, denn das Geschäftsmodell ist profitabel: Die Hungerlöhne sind nur möglich, weil die schlecht Entlohnten zusätzliche Hilfe von der Gemeinschaft der Steuer- und Beitragszahler bekommen. Allerdings ist dieses Modell so nachhaltig wie ein Atomkraftwerk im Erdbebengebiet: Wer zahlt denn den mehr als sieben Millionen armen Schluckern im Niedriglohnsektor demnächst die Rente? Etwa die Unternehmen, die sie heute abzocken? Nein, das wichtigste Instrument gegen die Ausbeutung von Arbeitnehmer und Staat ist der gesetzliche Mindestlohn. Wie in fast allen anderen westeuropäischen Ländern auch. alf

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