Meinung : Arbeitsverbote für Nicht-EU-Sportler: Kantersieg der Rechten

Helmut Schümann

Es ist nur ein paar Wochen her, da hat der deutsche Fußball ein kleines Zeichen setzen wollen mit roten Karten gegen den Fremdenhass. Auch hat Opel, Sponsor des FC Bayern München, mit einer netten Plakataktion die Folgen von Ent-Fremdung auf dem Sportplatz demonstriert: Aus Münchens erster Elf war da ohne ihre Ausländer schnell eine erste Drei geworden. Die Sportminister der Länder haben nun fast einstimmig ein anderes Zeichen gesetzt, ein verheerendes, ein entfremdendes.

Ab Februar sollen hierzulande Sportler aus Ländern, die nicht der europäischen Gemeinschaft angehören nur noch in den jeweils obersten Ligen ihrer Sportart mitwirken dürfen. Von Liga zwei an abwärts geht es dann wieder recht monokulturell zu, dem einheimischen Nachwuchs soll auf diese Weise eine Gasse geschlagen werden, der deutsche Sport wieder internationale Konkurrenzfähigkeit finden. Was für ein Unsinn!

Man kann vor allen fatalen Wirkungen eines solchen Beschlusses zunächst rein sportlich argumentieren und die Minister zum Beispiel an die letzte Fußball-Europameisterschaft erinnern. Da waren ja nicht ein paar deutsche Kicker gescheitert, weil sie sonst immer nur zuschauen dürfen, wenn der fremdländische Nachwuchs spielt. Die scheiterten ja, weil der teutonische Stil nicht mehr durchsetzungsfähig ist. Die besseren Mannschaften pflegen heute auch in ihrer Spielweise Internationalismus. Nicht mal Briten spielen noch ihr "Kick & Rush". Europameister wurde übrigens Weltmeister Frankreich, das sich seit Jahren am Esprit fremder (Fußball)-Kulturen bereichert.

Man kann des Weiteren die Praktibilität des Plans betrachten. Nur gut, dass Ciriaco Sforza (Schweizer beim FC Bayern München), Giovane Elber (Brasilianer ebendort), Krassimir Balakow (Bulgare vom VfB Stuttgart) oder Gabor Kiraly (Ungar in Berlin bei Hertha BSC) in der Bundesliga spielen. Was aber, wenn ein Erstligist absteigt? Klagen dann die Zweitligisten wegen Wettbewerbsverzerrung? Gibt es diese Zweit-, Dritt-, Viertligisten überhaupt noch, oder bricht der Spielbetrieb dann schnell zusammen, so wie ohne Ausländer hierzulande die Krankenversorgung, die Auto-, Stahl- und Computerindustrie zusammenbrechen würde?

Das alleine sind schon Gründe genug, um die Beschlussfassung in kleinstmöglichste Fetzen zu zerreißen, sportliche Gründe, logistische Gründe. Und dann sind da noch die politischen. Der mittlerweile täglich in Deutschland zu beobachtende Aufstand der Unanständigen bekommt ideologische Nahrung. Auch dieser Beschluss grenzt aus. Er unterscheidet zwischen den guten Ausländern, die ihre Green Card für die oberste, für die Zirkusliga erhalten, und dem Kroppzeug, das unerwünscht ist. Er boykottiert mögliche Integration gerade in den unteren Ligen, in denen der Sport noch wesentlich hautnaher erlebt wird als in den großen Arenen. Er wird Beifall bekommen von der Seite, von der man lediglich hoffen kann, dass sie den politischen Machern dieses Plans unerwünscht ist. Man kann in diesem Zusammenhang auch durchaus mal nach Italien schauen, wo eine ähnliche Praxis existiert - möglicherweise gibt es ja einen direkten Zusammenhang von der Abschottung im unteren Bereich und den jenseits der Alpen auf den Rängen der Erstligisten tobenden schlimmsten rassistischen Auschreitungen in Europa.

Ein verheerendes, ein entfremdendes, ein unsinniges Zeichen. Bestenfalls handelt es sich bei diesem Plan um ein klassisches Eigentor der Politik. Wahrscheinlich aber ist es schlimmer: Ein hoher Kantersieg der Rechten in Deutschland.

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