Meinung : „Arm ist der Manager …

Moritz Döbler

… oder Unternehmer, der nur egoistisch für sich selber wirkt.“

Tony Blair, Jacques Chirac und Gerhard Schröder. Viktor Juschtschenko und Mahmud Abbas. Bill Gates und Josef Ackermann. Bono. Es sind auch in diesem Jahr wieder die Namen der mehr als 2000 Gäste, die das Weltwirtschaftsforum in Davos zu einem einzigartigen Ereignis machen. Der Gipfel der Gipfel. Reiche und Mächtige diskutieren auf 200 Veranstaltungen über die drängendsten Probleme der Zeit: Aids, Naturkatastrophen, Klimaschutz.

Geschaffen hat das Forum vor mehr als 30 Jahren der gebürtige Deutsche Klaus Schwab, Kongressmanager und Wirtschaftsprofessor in Genf. „Verpflichtet, den Zustand der Welt zu verbessern“, ist das Credo des asketisch-sportlichen 66-Jährigen. Der Anfang war kaum mehr als eine Zusammenkunft mittelständischer Manager. Und den Alpenort hatte Schwab gewählt, weil es sich dort trefflich Ski fahren lässt. Doch die Ideen und Kontakte des fünfsprachigen Weltbürgers und Harvard-Absolventen ließen das Forum schon bald gedeihen.

Weltpolitik wurde in Davos immer wieder gemacht. Gut zwei Jahre vor dem Mauerfall erregte Hans-Dietrich Genschers Forderung, den sowjetischen Präsidenten Michail Gorbatschow in Sachen Glasnost beim Wort zu nehmen, weltweit Aufmerksamkeit; kurz nach dem Mauerfall trafen hier Helmut Kohl und Hans Modrow das erste Mal zusammen; Griechen und Türken, Nord- und Südkoreaner, Israelis und Palästinenser fanden hier an einen Tisch.

In jüngerer Zeit machen dagegen eher Globalisierungsgegner Schlagzeilen. Für sie steht das Forum für ungezügelten Kapitalismus. Nebenan hat das „Offene Forum“ seine Zelte aufgeschlagen, um Menschenrechte oder Kinderhandel zu thematisieren. Manche Davos-Besucher – etwa die Chefs des Ölmultis BP und des Pharma-Riesen Novartis – treten auch dort auf. Viel größer ist das ebenfalls parallel stattfindende Weltsozialforum im brasilianischen Porto Alegre, das als Anti-Davos-Treffen startete. Mehr als 100 000 Globalisierungsgegner werden in 200 Zeltbauten erwartet.

Das Forum in Davos wäre wohl nie so bedeutsam geworden, wenn es Schwab nicht stets gelungen wäre, Stimmungen, Zeitgeist und auch Kritik aufzugreifen. So ist Umweltschutz kein Randthema mehr. Und nach den Anschlägen des 11. September verlegte er das Forum 2002 kurzerhand ins „Waldorf Astoria“ nach New York.

„Pragmatischen Optimismus“ empfiehlt er in diesem Jahr als Rezept: Man müsse auch solche Regierungen und Unternehmen hinnehmen, die einem nicht passten, um die Welt verbessern zu können.

Doch bei all den großen Themen und großen Namen hat Schwab, der Brückenbauer und Showmaster, stets dafür gesorgt, dass der Geist von Davos auch für Ungezwungenheit steht, dass neben den ernsten Missionen auch Zeit für Smalltalk, Cocktails und Skifahren bleibt.

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