Meinung : Arme Opfer

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In Berlin streiken die Ärzte. Nein, nicht „die“ Ärzte. Aber es bleiben doch so viele Arztpraxen dicht, dass deren Patienten es spüren werden. Die Mediziner protestieren damit gegen die vermuteten Auswirkungen der Gesundheitsreform und gegen einen Abrechnungsmodus, bei dem sie nie genau wissen, wie viel Geld sie am Ende eines Quartals bekommen. Viele Ärzte beklagen zudem ein gegenüber südwestdeutschen Kollegen um 30 Prozent niedrigeres Einkommen. Der Unmut ist weitgehend nachvollziehbar. Die Zahl der Menschen, die nicht müde werden, die Vorteile der geplanten Reform zu rühmen, ist gering. Viele sind es nicht. Nur: Mit den Patienten, die jetzt vor verschlossenen Türen stehen, hat das nichts, aber wirklich gar nichts zu tun. Und die Politiker, die die Reform im Parlament durchziehen, werden auch heute, morgen und übermorgen behandelt, gleich, ob sie nun privat oder in einer der gesetzlichen Kassen versichert sind. Darauf kann man wetten. Streiken, weil in Berlin die Ärzteeinkommen niedrigerer als in wohlhabenderen Gegenden Deutschlands sind? Liebe streikende Ärzte, dieses Problem haben in Berlin fast alle Arbeitnehmer in fast allen Berufen. Sie wissen aber, dass man das mit Arbeitsverweigerung auch nicht ändern kann. Jetzt sind sie auch noch Streikopfer. apz

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