Artur Mas: : „Alleine werden wir besser leben“

Aus dem spanischen "Arturo“ wurde das katalanische „Artur“: Der Ministerpräsident der industriestärksten Region Spaniens kämpft für die Unabhängigkeit. Ein Porträt.

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Foto: Reuters

Er ist ein Meister der Selbstinszenierung. Mit kalkulierten Siegesgesten und sorgfältig gewählten Worten, die mitten ins katalanische Herz gehen. „Es ist die Stunde der Selbstbestimmung gekommen“, ruft Artur Mas, der alte und vermutlich auch neue Regierungschef Kataloniens. Der 56-Jährige ist die Speerspitze jener mächtigen Unabhängigkeitsbewegung, welche das Königreich Spanien zu spalten droht.

Zwar verlief die Regionalwahl am Sonntag nicht ganz so, wie erhofft: Mas selbst verlor mit seiner Partei CiU Stimmen, die Separatistenfront insgesamt gewann aber Unterstützung. Doch will Mas weiter für das erklärte Ziel kämpfen. Auch wenn der Weg nun etwas schwieriger werden dürfte.

Im Wahlkampf trat Mas wie ein Messias auf: Ein Heilsbringer, der als seine Mission ansieht, aus Katalonien einen „eigenen Staat in Europa“ zu machen. Hinter ihm weht ein Meer aus katalanischen Fahnen. Vor ihm toben seine Anhänger und singen, mit der Hand auf dem Herzen und der katalanischen Hymne in der Kehle.

Erst seit zwei Jahren ist Mas Ministerpräsident der industriestärksten Region Spaniens, in der 7,5 Millionen Menschen leben. Eine Region, die mit ihrer kreativen Mittelmeermetropole Barcelona und attraktiven Stränden jedes Jahr Millionen Urlauber anzieht. Und welche mit dem FC Barcelona auch den derzeit erfolgreichsten spanischen Fußballclub beherbergt. Zwei Jahre, die Mas nutzte, um den Katalanen einzuimpfen, dass ihre Zukunft außerhalb Spaniens liege. Unter ihm ist der katalanische Nationalismus gewachsen.

Seit mehr als zehn Jahren steht der Wirtschaftswissenschaftler, der vor 25 Jahren im Stadtrat Barcelonas seine Karriere begann, an der Spitze der CiU. Er änderte für sein politisches Projekt sogar seinen Vornamen: Aus dem spanischen „Arturo“ wurde das katalanische „Artur“. Und aus dem Ziel der Unabhängigkeit wurde ein Wahlprogramm. Das vergessen ließ, dass Katalonien noch ganz andere Sorgen hat: Korruptionsskandale, in die auch die CiU verstrickt ist. Milliardenschulden, welche die Region an den Rand der Pleite brachten – Probleme, für welche Mas ausschließlich Spanien verantwortlich macht. Alleine, sagt Mas, „werden wir besser leben“. Und auch dem Ausland, das die katalanischen Trennungsgelüste mit Unverständnis begleitet, werde man es schon noch zeigen, wenn sich das erstarkende Katalonien erst einmal „in die führende Nation Europas“ verwandelt habe. Ralph Schulze

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