Meinung : ASEM-Gipfel: Vielfalt schwächt

cvm

Eine Gelegenheit für die EU, außenpolitisches Profil zu zeigen. Im Mittelpunkt des Asien-Europa-Gipfels steht die Annäherung der beiden Koreas - und bei der internationalen Unterstützung gibt derzeit Europa den Ton an, nicht Amerika. Deutschland und Großbritannien sind bereit, diplomatische Beziehungen mit dem Norden aufzunehmen - um die Dynamik des Friedensprozesses zu stärken. Natürlich ist es in Asien nicht anders als im Nahen Osten: Nur Washington kann einen Supermacht-Status beanspruchen. Die EU ist ein willkommener Partner, zumal beim Handel und der Aufbau-Hilfe, wird aber noch nicht als politisches Schwergewicht wahrgenommen. Europa bietet sich jetzt hier wie dort die Chance, seinen Einfluss zu vergrößern und mit der Zeit zu einem alternativen Vermittler heranzuwachsen. Das hat damit zu tun, dass die USA zunehmend als parteiischer Makler gelten. Auch das ist in Korea, wo der Norden ein tiefes Misstrauen gegen den Kriegsgegner von 1953 hat, nicht anders als im Nahen Osten, wo viele Araber nicht mehr groß unterscheiden zwischen israelischen und amerikanischen Positionen. Doch Europa wäre nicht Europa, wenn es seine außenpolitischen Chancen einfach mal nutzte. Auch in Korea fällt es den EU-Staaten schwer, sich auf eine gemeinsame Linie zu einigen. Diesmal beharrt Frankreich auf dem klassischen Muster nationalstaatlicher Außenpolitik - mit der Begründung, erst müsse Nordkorea die Menschenrechte achten und auf Massenvernichtungswaffen verzichten. Das klingt wie ein Vorwand. Paris unterhält diplomatische Beziehungen zu Ländern, die diese Bedingung nicht erfüllen. Und selbst der Vatikan entsendet jetzt eine Delegation ins atheistische Pjöngjang. Frankreich gibt sich päpstlicher als der Papst - zum Schaden Europas.

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